75 Hard Challenge: Regeln, Risiken, eigene Fassung
Die 75 Hard Challenge ist kein Fitnessprogramm. Alle Regeln, vier Gesundheitsrisiken, 75 Soft im Vergleich und eine eigene Fassung mit Ziel.

Inhalt
- 01Was die 75 Hard Challenge ist und was sie nicht ist
- 02Die 75 Hard Regeln: fünf Aufgaben an jedem der 75 Tage
- 03Was an der Challenge funktioniert
- 04Ist 75 Hard gesund? Vier Regeln im Check
- 05Was in Katrins 19 Tagen wirklich passiert ist
- 0675 Soft und andere Varianten im Vergleich
- 07Deine eigene 75-Tage-Challenge in fünf Schritten
- 0875 Tage in der Zielkette: vom Jahresziel zum Tag
- 09Drei Fragen, bevor du mit Tag eins beginnst
- 10Häufige Fragen zur 75 Hard Challenge
Die 75 Hard Challenge ist kein Fitnessprogramm, auch wenn sie wie eines aussieht. Gemeint ist eine Challenge des US-Unternehmers Andy Frisella, bei der du 75 Tage lang jeden Tag fünf Regeln erfüllst: zwei Trainings zu je 45 Minuten, davon eines draußen, eine Ernährungsregel ohne Alkohol und ohne Ausnahmen, knapp 3,8 Liter Wasser, zehn Seiten aus einem Sachbuch und ein Fortschrittsfoto. Wer eine einzige Regel an einem einzigen Tag verpasst, der beginnt wieder bei Tag eins.
Die Regeln sind schnell erklärt. Schwieriger ist die Frage, ob sie zu deinem Leben und zu deinem Ziel passen. Durchgerechnet wird deshalb alles an Katrin, 36, Steuerfachangestellte in Teilzeit und Mutter von zwei Kindern. Sie wollte bis zum Sommer 10 Kilometer am Stück laufen, startete im März mit 75 Hard und stand an Tag 19 wieder bei null. Was danach kam, ist eine Fassung mit eigenen Regeln, die sie 75 Tage lang gehalten hat.
Was die 75 Hard Challenge ist und was sie nicht ist
Die 75 Hard Challenge ist ein Durchhalteprogramm mit fester Dauer. Andy Frisella, Gründer des amerikanischen Supplement-Herstellers 1st Phorm, stellte sie 2019 in seinem Podcast vor. Bekannt wurde sie danach vor allem über TikTok und Instagram, wo viele Teilnehmende jeden ihrer 75 Tage dokumentieren. Frisella selbst beschreibt sie als Programm für mentale Stärke, nicht als Trainingsplan. Sie ist die erste Phase seines größeren Programms „Live Hard“.
Der Gedanke dahinter ist schlicht. Wer 75 Tage lang jeden Tag tut, was er sich vorgenommen hat, auch ohne Lust und bei Regen, der lernt, dass sein Wort gegenüber sich selbst etwas gilt. Die körperlichen Regeln sind dafür das Trainingsgerät, nicht der Zweck. Das erklärt auch, warum sie so streng sind. Härte ist hier das Produkt.
Drei Dinge ist 75 Hard deshalb nicht. Es ist kein Trainingsplan, denn welche Übungen du machst, legt niemand fest. Es ist keine Diät, denn die Ernährungsregel verlangt nur, dass du dich an irgendeinen Plan hältst. Und es ist kein medizinisch geprüftes Programm. Zur Challenge selbst gibt es bisher kaum belastbare Forschung. Die Einordnungen von Kliniken und Fachleuten stützen sich auf allgemeines Wissen zu Training, Trinken und Schlaf.
Begriff: Challenge mit fester Dauer
Eine Challenge mit fester Dauer ist ein Vorhaben, das an einem bestimmten Tag beginnt und an einem bestimmten Tag endet, mit Regeln, die an jedem Tag gleich gelten. Das macht sie leicht zu starten und leicht zu messen. Für ein Ziel ist sie aber nur ein Block. Was nach Tag 75 kommt, legt die Challenge nicht fest, und genau darauf kommt es später an.
Die 75 Hard Regeln: fünf Aufgaben an jedem der 75 Tage
Die offiziellen Regeln passen auf eine Karteikarte. Frisella beschreibt sie auf seiner Website und in seinem Buch „75 Hard: A Tactical Guide to Winning the War with Yourself“. Jede Regel gilt an jedem Tag, ohne Ruhetag und ohne Ausnahme:
- Eine Ernährung einhalten. Welche, entscheidest du selbst, passend zu deinem Ziel. Verboten sind Cheat Meals und Alkohol, 75 Tage lang.
- Zwei Trainings zu je 45 Minuten. Eines davon findet draußen statt, bei jedem Wetter. Die Art des Trainings ist frei.
- Eine Gallone Wasser trinken. Das sind knapp 3,8 Liter am Tag.
- Zehn Seiten lesen. Gemeint ist ein Sachbuch oder ein Buch zur persönlichen Entwicklung. Hörbücher zählen nicht.
- Ein Fortschrittsfoto machen. Jeden Tag eines, als Beleg für die Veränderung.
Dazu kommt eine sechste Regel, die eigentlich die wichtigste ist: Wer eine der fünf Aufgaben an einem Tag verfehlt, der fängt wieder bei Tag eins an. Das gilt auch an Tag 74. Eine vergessene Flasche Wasser reicht dafür, ebenso ein Glas Sekt auf einer Hochzeit.
Was kostet das an Zeit? Zwei Trainings sind 90 Minuten. Mit Umziehen, Duschen und dem Weg nach draußen kommen schnell 30 Minuten dazu. Zehn Seiten dauern etwa eine Viertelstunde, und die Mahlzeiten nach Plan wollen eingekauft und vorbereitet sein. Realistisch sind zweieinhalb Stunden am Tag, 75 Tage lang. Das sind gut 187 Stunden, mehr als vier Arbeitswochen zu je 40 Stunden.
Was an der Challenge funktioniert
75 Hard hat viele Kritiker, und einiges an der Kritik ist berechtigt. Fair ist trotzdem: Die Challenge macht vier Dinge richtig, an denen viele Vorsätze scheitern.
- Klare Regeln. Jede Aufgabe ist ja oder nein. Am Abend weißt du, ob der Tag zählt. Vage Vorsätze wie „mehr bewegen“ lassen genau das offen.
- Keine Entscheidungen am Morgen. Ob heute trainiert wird, steht fest. Das spart die Verhandlung mit dir selbst, die bei freiwilligen Vorsätzen jeden Tag neu beginnt.
- Eine Dauer, die zur Gewohnheitsbildung passt. Phillippa Lally und Kollegen fanden 2009 im European Journal of Social Psychology, dass neue Verhaltensweisen im Mittel nach 66 Tagen automatisch liefen, mit einer Spanne von 18 bis 254 Tagen. 75 Tage liegen knapp über diesem Mittelwert.
- Ein sichtbarer Fortschritt. Ein Zähler, der jeden Tag um eins steigt, motiviert. Wer an Tag 40 steht, der will nicht wieder bei null anfangen.
Warum 66 Tage ein Mittelwert und keine feste Regel sind, steht im Artikel zur 66-Tage-Regel. Für 75 Hard heißt das: Die Dauer ist gut gewählt. Ob die Regeln innerhalb dieser Dauer gut gewählt sind, ist eine andere Frage.
Auch der Grundgedanke trägt. Ein Versprechen an sich selbst zu halten, stärkt das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Die Psychologie nennt das Selbstwirksamkeit, und Albert Bandura hat schon 1977 beschrieben, dass eigene Erfolgserlebnisse ihre stärkste Quelle sind. Der Haken liegt woanders. Erfolgserlebnisse entstehen nur, wenn die Aufgabe erreichbar ist, und an dieser Stelle setzen die Risiken an.
Ist 75 Hard gesund? Vier Regeln im Check
Für gesunde Erwachsene ohne Vorerkrankung ist 75 Hard selten gefährlich, aber an mehreren Stellen strenger als gängige Empfehlungen. Die Cleveland Clinic stellt der Challenge in ihrer Einordnung deshalb gesündere Varianten gegenüber. Der Maßstab hier sind Werte von Fachgesellschaften und Behörden, keine Meinungen aus Foren.
| Regel | Was 75 Hard verlangt | Bezugswert | Risiko |
|---|---|---|---|
| Training | 2 × 45 Minuten täglich, 630 Minuten pro Woche | WHO 2020: 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche | Kein Ruhetag, Überlastung bei Einsteigern |
| Wasser | knapp 3,8 Liter Getränk täglich | EFSA 2010: 2,0 Liter für Frauen, 2,5 Liter für Männer, Essen eingerechnet | Zu viel in kurzer Zeit, heikel bei Herz- oder Nierenerkrankung |
| Ernährung | Ein Plan nach Wahl, keine Ausnahme | Keine Vorgabe | Sehr strenge Diäten ohne fachliche Begleitung |
| Foto | Ein Fortschrittsfoto täglich | Keine Vorgabe | Fixierung auf den eigenen Körper |
| Schlaf | Keine Regel | AASM 2015: mindestens sieben Stunden für Erwachsene | Das Programm geht oft vom Schlaf ab |
Training: 630 Minuten ohne Pause
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen in ihren Leitlinien von 2020 pro Woche 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung oder 75 bis 150 Minuten intensive, dazu an zwei Tagen Krafttraining. 75 Hard verlangt 630 Minuten, ohne einen einzigen Ruhetag. Wer vorher kaum trainiert hat, der springt damit vom Sofa auf mehr als das Doppelte der oberen Empfehlung. Das bedeutet: Mindestens eine der beiden Einheiten sollte leicht sein, etwa ein zügiger Spaziergang, sonst fehlt dem Körper die Erholung.
Wasser: mehr ist nicht automatisch besser
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA nennt seit 2010 als angemessene Gesamtzufuhr 2,0 Liter Wasser am Tag für Frauen und 2,5 Liter für Männer, Wasser aus dem Essen eingerechnet. 3,8 Liter reines Getränk liegen deutlich darüber. Über den Tag verteilt verkraften gesunde Nieren das meist. Wer aber am Abend große Mengen in kurzer Zeit trinkt, um die Gallone noch vollzubekommen, der riskiert im Extremfall einen gefährlich niedrigen Natriumspiegel im Blut. Wer eine Herz- oder Nierenerkrankung hat, der klärt die Menge vorher mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.
Ernährung und Foto: wenn Kontrolle kippt
Eine Ernährung ohne Ausnahme und ein tägliches Foto des eigenen Körpers sind für die meisten Menschen eine Übung in Konsequenz. Für Menschen mit einer Essstörung in der Vorgeschichte können genau diese zwei Regeln alte Muster wecken. Warnzeichen sind Gedanken, die ständig um Essen, Gewicht und Training kreisen, oder Schuldgefühle nach jeder Mahlzeit. Wer das an sich bemerkt, der spricht besser mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Beratungsstelle, und in einer akuten Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar.
Schlaf: die Regel, die fehlt
75 Hard regelt Training, Wasser, Essen, Lesen und Fotos, aber nicht den Schlaf. Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt Erwachsenen seit 2015 mindestens sieben Stunden pro Nacht. Wer zweieinhalb Stunden zusätzliches Programm in einen vollen Tag packt, der nimmt sie fast immer vom Abend oder vom Morgen. Kurz gesagt: Eine Challenge für mentale Stärke, die auf Kosten des Schlafs geht, trainiert vor allem Müdigkeit.
Was in Katrins 19 Tagen wirklich passiert ist
Katrin arbeitet 25 Stunden pro Woche in einer Steuerkanzlei, ihre Kinder sind fünf und acht Jahre alt. Ihr Ziel für 2026 ist ein Halbmarathon im Oktober. Auf dem Weg dahin wollte sie bis Ende Juni 10 Kilometer am Stück schaffen. Im Februar lief sie höchstens 3 Kilometer ohne Gehpause. 75 Hard sah aus wie der Ruck, den sie brauchte. Sie startete am Montag, dem 2. März.
Die ersten zwei Wochen liefen gut. Training eins war ein Lauf oder ein Spaziergang am Morgen, Training zwei ein Video-Workout am Abend, wenn die Kinder schliefen. Gelesen hat sie in der Mittagspause, das Foto machte sie vor dem Spiegel im Flur. Nach Tag 19 zählte sie nach, was die Tage gekostet hatten:
| Zeitraum | Programm pro Tag | Schlaf im Schnitt | Längster Lauf am Stück |
|---|---|---|---|
| Woche 1 | 2 Std. 40 Min. | 6 Std. 50 Min. | 3 km |
| Woche 2 | 2 Std. 30 Min. | 6 Std. 20 Min. | 3,5 km |
| Tag 15 bis 19 | 2 Std. 35 Min. | 5 Std. 55 Min. | 3,5 km |
Am Freitag, dem 20. März, bekam ihr Sohn abends Fieber. Das zweite Training an Tag 19 fiel aus. Nach den Regeln stand Katrin damit wieder bei Tag eins. Sie hörte auf und lief in den folgenden drei Wochen kein einziges Mal. Wie oft endet ein Vorsatz nicht am fehlenden Willen, sondern an einem Abend, der anders läuft als geplant?
Drei Dinge zeigt ihre Zählung. Erstens: Das Programm hat jede Woche mehr Schlaf gekostet, bis Tag 19 fast eine Stunde pro Nacht. Zweitens: Ihr eigentliches Ziel, länger am Stück zu laufen, kam kaum voran, weil zwei Einheiten am Tag keine Erholung zwischen den Läufen ließen. Drittens: Nicht das Fieber hat die Challenge beendet, sondern die Neustart-Regel.
Der häufigste Fehler: die Neustart-Regel für Disziplin halten
Die Regel „ein Fehltag, zurück auf Tag eins“ fühlt sich nach Konsequenz an. Sie widerspricht aber dem, was über Gewohnheiten bekannt ist. In der Studie von Lally und Kollegen 2009 hat ein einzelner verpasster Tag die Gewohnheitsbildung nicht nennenswert gebremst. Gefährlich ist erst, was nach dem Fehltag passiert: Wer alles verliert, der hört oft ganz auf.
Dieses Muster ist gut untersucht. Die Psychologen C. Peter Herman und Deborah Mack zeigten 1975, dass Menschen, die Diät hielten, nach einem erzwungenen Regelbruch, einem Milchshake, danach mehr Eis aßen als ohne ihn. Später bekam das Muster den Namen What-the-hell-Effekt: Ist der Tag ohnehin verloren, zählt der Rest auch nicht mehr. 75 Hard baut diesen Effekt in die Regeln ein. Ein Fehltag wird zum Totalverlust, und ein Totalverlust ist der beste Grund aufzuhören.
75 Soft und andere Varianten im Vergleich
Weil die Originalregeln vielen zu hart sind, sind Varianten entstanden. Die bekannteste ist 75 Soft. Sie stammt nicht von Frisella, sondern wurde über TikTok bekannt. In der verbreiteten Fassung lauten die Regeln: gesund essen und Alkohol nur bei geselligen Anlässen, 45 Minuten Bewegung am Tag mit einem aktiven Ruhetag pro Woche, drei Liter Wasser und zehn Seiten aus einem beliebigen Buch. Ein Foto gibt es nicht, und wer einen Tag verpasst, beginnt nicht von vorn.

75 Soft ist für etwas anderes gebaut als 75 Hard. Es soll gute Gewohnheiten aufbauen, nicht Härte beweisen. Für die meisten Einsteiger ist es damit die bessere Wahl. Beide Varianten haben aber dieselbe Lücke. Keine ihrer Regeln fragt, welches Ergebnis nach den 75 Tagen stehen soll. Die dritte Spalte im Schaubild schließt diese Lücke. Sie zeigt Katrins eigene Fassung, und wie du deine baust, folgt jetzt.
Wer trotzdem das Original will, der kann es entschärfen, ohne seinen Kern aufzugeben. Drei Anpassungen reichen: Eine der beiden Einheiten ist immer leicht, etwa ein Spaziergang. Das Wasser wird gleichmäßig über den Tag getrunken, nie als Rest am Abend. Und als ungeschriebene sechste Regel gilt eine feste Uhrzeit fürs Licht aus. Wer Vorerkrankungen hat, der spricht vorher mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.
Deine eigene 75-Tage-Challenge in fünf Schritten
Am Ende von Katrins Pause stand eine einfache Frage: Was sollen die 75 Tage eigentlich bewirken? Ihre Antwort war 10 Kilometer am Stück bis Ende Juni. Daraus hat sie die Regeln abgeleitet, nicht umgekehrt. So gehst du vor:
Ein Ziel für Tag 75 festlegen
Ein Ergebnis mit Zahl und Datum, das nach 75 Tagen messbar ist. Bei Katrin: am Freitag, dem 26. Juni, 10 Kilometer ohne Gehpause laufen. Wer kein Ziel hat, der misst am Ende nur, ob er durchgehalten hat.
Drei bis fünf Tagesregeln ableiten
Jede Regel zahlt auf das Ziel ein oder schützt die Erholung. Katrin wählte vier: 30 bis 45 Minuten Bewegung am Tag mit drei Läufen nach Plan pro Woche, zehn Seiten lesen, kein Alkohol von Sonntag bis Donnerstag und um 22:30 Uhr das Licht aus.
Für jede Regel eine Mindestversion festlegen
Was zählt an einem Tag, an dem alles schiefgeht? Bei Katrin: zehn Minuten Spaziergang statt Lauf, zwei Seiten statt zehn. Die Mindestversion entscheidet, ob ein Fieberabend die Challenge beendet.
Die Neustart-Regel ersetzen
Statt zurück auf Tag eins gilt: nie zweimal hintereinander verpassen. Der Zähler läuft weiter, ein Fehltag wird sichtbar, aber nicht bestraft.
Einmal pro Woche messen statt täglich fotografieren
Am Sonntag notiert Katrin den längsten Lauf am Stück und den Schlaf der Woche. Das zeigt den Fortschritt zum Ziel, nicht nur den zum Spiegel.
Die Regel „nie zweimal hintereinander“ stammt aus James Clears Buch „Atomic Habits“ von 2018. Sie behält die Strenge der Challenge, nimmt ihr aber den Totalverlust. Wer an einem Tag scheitert, der hat am nächsten Tag eine klare Aufgabe statt eines Grundes aufzuhören. Wie du deine Tagesregeln so verfolgst, dass sie mehr zeigen als Häkchen, steht im Artikel zum Habit Tracker.
Was Katrins zweiter Versuch gebracht hat
Katrin startete neu am Montag, dem 13. April. Tag 75 fiel auf Freitag, den 26. Juni. An 71 der 75 Tage hielt sie alle vier Regeln in voller Länge. An drei Tagen griff die Mindestversion. An einem Tag, einem Sonntag mit Magen-Darm-Infekt, machte sie gar nichts und am Montag einfach weiter. Ihr Schlaf lag im Schnitt bei sieben Stunden und zehn Minuten, gut eine Stunde mehr als in der dritten Woche im März.
Am 26. Juni lief sie 10 Kilometer am Stück in einer Stunde und sechs Minuten. Das ist kein Beweis, dass ihre Fassung für alle besser ist. Es ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn die Regeln einem Ziel dienen statt einem Härtetest. Das bedeutet: Die Strenge ist nicht das Problem von 75 Hard. Das Problem ist Strenge ohne Richtung.
75 Tage in der Zielkette: vom Jahresziel zum Tag
75 Tage sind knapp elf Wochen, also fast ein Quartal. Damit passt eine Challenge genau in eine Ebene der Zielkette. Das Jahresziel wird zum Quartalsziel, das Quartalsziel zum Monatsziel, dann zum Wochenziel und zum Tagesziel. Die Challenge ist der Rahmen für das Quartal, die Tagesregeln bilden die unterste Stufe.

Bei Katrin sieht das so aus. Jahr 2026: Halbmarathon im Oktober. Quartal Q2: 10 Kilometer am Stück bis zum 26. Juni. Monat Mai: 6 Kilometer am Stück. Woche KW 20: drei Läufe, der längste über 5 Kilometer. Tag Dienstag: 35 Minuten Intervalllauf und zehn Seiten. Jede Stufe beantwortet die Frage, wofür die Stufe darunter da ist.
In Gaapp hängt jedes Tagesziel an einem Wochenziel und jedes Wochenziel an einem Monatsziel. Für Katrin heißt das: Am Sonntag sieht sie nicht nur, an wie vielen Tagen sie trainiert hat, sondern ob die Woche ihren längsten Lauf verlängert hat. Wer seine Challenge so einbettet, der weiß auch, was an Tag 76 kommt. Bei Katrin ist es das nächste Quartal mit dem nächsten Block bis zum Halbmarathon.
Wer lieber in festen Blöcken von zwölf Wochen plant, findet die Methode dazu im Artikel zum 12-Wochen-Jahr. 75 Tage und zwölf Wochen liegen nah beieinander. Der Unterschied ist die dreizehnte Woche, die das Zwölf-Wochen-Jahr für Auswertung und Pause vorsieht. Genau diese Pause fehlt bei 75 Hard.
Drei Fragen, bevor du mit Tag eins beginnst
Bevor du die erste Gallone kaufst und den Zähler auf eins stellst, beantworte drei Fragen:
- Welches Ergebnis mit Zahl und Datum soll an Tag 75 stehen?
- Wie viele Stunden am Tag kannst du 75 Tage lang geben, ohne Schlaf zu streichen?
- Was ist die Mindestversion jeder Regel für den Tag, an dem ein Kind Fieber hat?
Wer die erste Frage nicht beantworten kann, bekommt mit 75 Hard einen Härtetest, aber keinen Fortschritt. Wer bei der zweiten ehrlich weniger als zweieinhalb Stunden findet, der braucht eine eigene Fassung. Wer die dritte offenlässt, dessen Challenge endet am ersten Abend, der anders läuft als geplant. Dass Selbstdisziplin eher aus guten Systemen als aus Willenskraft entsteht, zeigt der Artikel Disziplin lernen. Kurz gesagt: Die 75 Hard Challenge ist kein Beweis von Charakter, sondern ein Werkzeug, und ein Werkzeug taugt so viel wie das Ziel, an dem du es ansetzt.
Häufige Fragen zur 75 Hard Challenge
Was ist eine 75 Hard Challenge?
Die 75 Hard Challenge ist ein Programm des US-Unternehmers Andy Frisella aus dem Jahr 2019. 75 Tage lang erfüllst du jeden Tag fünf Regeln: zwei Trainings zu je 45 Minuten, eines davon draußen, eine Ernährung ohne Ausnahmen und ohne Alkohol, knapp 3,8 Liter Wasser, zehn Seiten Sachbuch und ein Fortschrittsfoto. Wer einen Tag verpasst, beginnt wieder bei Tag eins.
Was sind die Regeln der „75 Soft Challenge“?
In der verbreiteten Fassung isst du gesund und trinkst Alkohol nur bei geselligen Anlässen, bewegst dich 45 Minuten am Tag mit einem aktiven Ruhetag pro Woche, trinkst drei Liter Wasser und liest zehn Seiten aus einem beliebigen Buch. Das tägliche Foto und die Neustart-Regel entfallen. 75 Soft stammt nicht von Frisella, sondern wurde über soziale Medien bekannt.
Was ist die 75?
Mit „die 75“ ist meist die 75 Hard Challenge gemeint, manchmal auch eine ihrer Varianten wie 75 Soft. Die Zahl steht für die Dauer: 75 Tage am Stück mit festen Regeln für jeden Tag. Gemeinsam ist allen Varianten der Tageszähler von 1 bis 75.
Was ist eine Fitness-Challenge?
Eine Fitness-Challenge ist ein Vorhaben mit fester Dauer und festen Regeln für Bewegung, oft auch für Ernährung, etwa 30 Tage Kniebeugen oder 75 Tage Training. Sie erleichtert den Start, weil die Regeln klar sind und der Fortschritt sichtbar ist. Damit sie langfristig wirkt, braucht sie ein Ziel für die Zeit danach.
Ist die 75 Hard Challenge gesund?
Für gesunde Erwachsene ist sie selten gefährlich, aber strenger als gängige Empfehlungen: 630 Minuten Training pro Woche ohne Ruhetag, knapp 3,8 Liter Wasser und keine Regel für den Schlaf. Wer eine Herz- oder Nierenerkrankung oder eine Essstörung in der Vorgeschichte hat, sollte vorher ärztlichen Rat holen. Eine Variante mit Ruhetag und Mindestversionen ist für die meisten die bessere Wahl.
Kann man mit 75 Hard abnehmen?
Das hängt fast ganz von der Ernährung ab, die du wählst, denn 75 Hard schreibt keine bestimmte Diät vor. Viel Bewegung und kein Alkohol helfen, ein Kaloriendefizit entsteht aber nur, wenn der Ernährungsplan es vorsieht. Wie viel jemand in 75 Tagen abnimmt, ist sehr unterschiedlich und lässt sich nicht versprechen.
Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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