Methoden & Fokus
16 min

1-3-5-Regel: neun Aufgaben, die in einen Tag passen

Die 1-3-5-Regel ist keine To-do-Liste mit Zahlen, sondern ein Tagesbudget: eine große, drei mittlere, fünf kleine Aufgaben. Mit Beispiel und Vorlage.

Eine Hand legt Haftnotizen in drei Größen in Blau, Türkis und Grau in ordentlichen Reihen auf eine dunkle Schreibtischunterlage.
Inhalt
  1. 01Was die 1-3-5-Regel besagt: eine große, drei mittlere, fünf kleine Aufgaben
  2. 02Warum die Regel funktioniert: drei Mechanismen
  3. 03Groß, mittel, klein: woran du die Größe einer Aufgabe erkennst
  4. 04Die 1-3-5-Methode in fünf Schritten
  5. 05Das Beispiel: Miras zwei Wochen mit der 1-3-5-Methode
  6. 06Die drei Fehler, die niemand bemerkt
  7. 071-3-5-Regel, Ivy Lee, Eat the Frog, ABC: welche Methode wofür gebaut ist
  8. 08Die 1-3-5-Regel in der Zielkette: Jahr, Quartal, Monat, Woche, Tag
  9. 09Vorlage für die 1-3-5-Methode: neun Zeilen auf einem Blatt
  10. 10Häufige Fragen zur 1-3-5-Regel

Die 1-3-5-Regel ist keine To-do-Liste mit Zahlen davor, sondern ein Budget für deinen Arbeitstag: Du planst für jeden Tag genau eine große Aufgabe, drei mittlere und fünf kleine. Neun Aufgaben, nicht mehr. Was nicht hineinpasst, bekommt einen anderen Tag. Die Zahlen sind keine Magie. Sie zwingen dich nur, vor dem Anfangen zu entscheiden, wie viel von deinem Tag die wichtige Arbeit bekommt und wie viel der Kleinkram.

Wer abends erschöpft ist und trotzdem das Gefühl hat, nichts Wichtiges geschafft zu haben, der hat meist kein Zeitproblem, sondern ein Mischungsproblem. Durchgerechnet wird das an Mira, Projektkoordinatorin in einer Leipziger Eventagentur mit neun Mitarbeitenden. Sie beantwortet am Tag rund 40 Mails, telefoniert mit Caterern und Technikverleihern und schiebt seit vier Wochen das Konzept für ein neues Firmenpaket vor sich her. Dazu kommen die Herkunft der Regel, ein Größentest für Aufgaben, fünf Schritte, Miras zwei Wochen in Zahlen, drei Fehler, ein kurzer Vergleich mit anderen Methoden und eine Vorlage.

Was die 1-3-5-Regel besagt: eine große, drei mittlere, fünf kleine Aufgaben

Die 1-3-5-Regel besagt, dass ein realistischer Arbeitstag Platz für neun Aufgaben unterschiedlicher Größe hat. Eine davon ist groß und braucht zwei bis drei Stunden konzentrierte Arbeit. Drei sind mittel und dauern jeweils 30 bis 60 Minuten. Fünf sind klein und in einer Viertelstunde erledigt. Die Liste entsteht, bevor der Tag beginnt, und sie wird während des Tages nicht verlängert.

Das klingt nach einer Spielerei mit Zahlen. Tatsächlich steckt eine Rechnung dahinter, die kaum eine Anleitung aufmacht. Wer die Größen addiert, der kommt auf ungefähr fünfeinhalb Stunden geplante Arbeit:

  • Eine große Aufgabe: etwa 150 Minuten, am Stück und ohne Postfach.
  • Drei mittlere Aufgaben: je etwa 45 Minuten, zusammen gut zwei Stunden.
  • Fünf kleine Aufgaben: je etwa zehn Minuten, zusammen knapp eine Stunde.

Zusammen sind das rund 335 Minuten. Bei einem Achtstundentag bleiben also gut zweieinhalb Stunden übrig. Diese Lücke ist kein Rechenfehler, sondern der eigentliche Kern der Regel. Sie gehört den Besprechungen, den Rückfragen und allem, was am Morgen niemand vorhersehen kann. Das bedeutet: Die 1-3-5-Regel plant deinen Tag nicht voll, sondern zu etwa 70 Prozent. Der Rest ist Puffer mit Absicht.

Was in der Regel fehlt, ist genauso aufschlussreich. Sie sagt nichts darüber, in welcher Reihenfolge du arbeitest, und sie kennt keine Kategorien wie dringend oder wichtig. Sie regelt nur die Mischung. Kurz gesagt: Die 1-3-5-Regel ist keine Technik zum Sortieren, sondern eine Obergrenze nach Größe.

Woher die 1-3-5-Methode kommt

Die 1-3-5-Methode hat keinen eindeutig belegten Erfinder. Meist wird sie mit zwei Namen verbunden. Der eine ist der dänische Autor Alexander Kjerulf, der seit vielen Jahren über Zufriedenheit am Arbeitsplatz schreibt und Unternehmen dazu berät. Der andere ist das US-amerikanische Karriereportal The Muse, dessen Beitrag über eine bessere To-do-Liste die Regel im englischen Sprachraum bekannt gemacht hat. Von dort ist sie in Blogs, Papierplaner und Apps gewandert, meist ohne Quellenangabe.

Für die Praxis ist die Herkunft zweitrangig. Wichtiger ist, wofür die Regel gebaut ist. Sie stammt nicht aus der Forschung, sondern aus dem Büroalltag von Menschen, deren Tage aus vielen kleinen Anfragen bestehen und deren große Aufgaben deshalb immer wieder nach hinten rutschen. Genau dieses Muster soll sie brechen.

Eine Faustregel, keine Formel

Weder Kjerulf noch The Muse stellen die Regel als Ergebnis einer Studie vor. Sie ist eine Faustregel aus der Praxis. Wer also nach Belegen sucht, dass genau neun Aufgaben optimal sind, der wird keine finden. Die Zahlen sind eine Setzung, die sich im Büroalltag bewährt hat, und du darfst sie an deinen Kalender anpassen, solange die Mischung erhalten bleibt.

Warum die Regel funktioniert: drei Mechanismen

Erstens: Die große Aufgabe bekommt einen reservierten Platz

Auf einer offenen Liste konkurrieren alle Aufgaben gleichberechtigt um deine Zeit. Kleine Aufgaben gewinnen dieses Rennen fast immer, weil sie schnell erledigt sind und sofort einen Haken liefern. Die 1-3-5-Regel bricht den Wettbewerb, indem sie der großen Aufgabe einen festen Platz gibt, den keine Mail besetzen darf. Wer jeden Tag genau eine große Aufgabe einplant, der macht in einem Monat rund 20 große Schritte statt drei zufälliger.

Zweitens: Kleinkram bekommt eine Grenze statt ein schlechtes Gewissen

Viele Methoden behandeln kleine Aufgaben als Störung. Die 1-3-5-Regel ist da ehrlicher. Rückrufe, Freigaben und kurze Antworten gehören zur Arbeit, und wer sie liegen lässt, der blockiert andere. Deshalb haben sie fünf feste Plätze. Das ist großzügig genug, damit der Alltag läuft, und knapp genug, damit er nicht den ganzen Tag frisst.

Drittens: Neun Haken sind ein erreichbares Ende

Eine Liste mit 27 Punkten endet nie. Du hörst abends auf, weil du müde bist, nicht weil du fertig bist. Neun Aufgaben dagegen sind an einem normalen Tag schaffbar, und das verändert, wie sich der Feierabend anfühlt. Wann hast du zuletzt einen Arbeitstag beendet, weil die Liste leer war? Die Regel macht genau das zum Normalfall und nicht zur Ausnahme.

Die drei Mechanismen hängen zusammen. Der reservierte Platz sorgt dafür, dass das Wichtige vorkommt. Die Grenze für Kleinkram sorgt dafür, dass es Zeit bekommt. Und das erreichbare Ende sorgt dafür, dass du am nächsten Morgen wieder Lust auf die Liste hast. Fehlt einer der drei, kippt die Methode zurück in die alte Gewohnheit.

Groß, mittel, klein: woran du die Größe einer Aufgabe erkennst

Die 1-3-5-Regel steht und fällt mit einer Frage, die die meisten Anleitungen überspringen: Was ist eigentlich groß? Die Antwort hängt nicht vom Thema ab, sondern von drei Merkmalen. Das sind die Dauer, die nötige Konzentration und die Folgen für dein Wochenziel. Eine Mail an die Geschäftsführung kann klein sein. Ein Anruf beim Lieferanten kann mittel sein, wenn du dafür erst Zahlen zusammensuchen musst.

GrößeDauerKonzentrationMiras BeispielPrüffrage
Groß, eine am Tagzwei bis drei Stundenam Stück, ohne PostfachKalkulation für das Firmenpaket mit 150 GästenBringt mich das meinem Wochenziel sichtbar näher?
Mittel, drei am Tag30 bis 60 Minuteneine Sitzung, kurze Unterbrechung verkraftbarAngebot für die Weihnachtsfeier eines AutohausesBrauche ich mehr als einen Anlauf von 15 Minuten?
Klein, fünf am Tagbis 15 Minutennebenbei möglichRückruf beim Caterer, Rechnung freigebenSchaffe ich das zwischen zwei Terminen?
Gar nicht auf die Listelänger als ein Tagnicht in einem Stück planbarNeues Firmenpaket entwickelnIst das ein Projekt statt einer Aufgabe?
Größentest für die 1-3-5-Regel mit Miras Aufgaben

Die vierte Zeile ist die wichtigste. Ein Projekt passt in kein Fach, auch nicht ins große. Wer „Firmenpaket entwickeln“ als große Aufgabe einträgt, der setzt sich jeden Morgen vor dieselbe unlösbare Zeile. Das Projekt muss erst in Schritte zerlegt werden. Erst ein Schritt von zwei bis drei Stunden ist eine große Aufgabe.

Vier Fächer der 1-3-5-Regel: groß mit zwei bis drei Stunden am Stück, mittel mit 30 bis 60 Minuten, klein bis 15 Minuten, und Projekte, die erst zerlegt werden müssen
Jede Aufgabe landet in einem von vier Fächern. Das vierte ist für Projekte und bleibt auf der Tagesliste leer.

Die Zeiten sind Richtwerte für einen Vollzeittag. Entscheidend ist das Verhältnis. Die große Aufgabe bekommt etwa so viel Zeit wie die drei mittleren zusammen und deutlich mehr als alle kleinen. Wer dieses Verhältnis umdreht, der hat zwar neun Zeilen auf dem Zettel, aber wieder einen Tag voller Kleinkram.

Ein zweiter Prüfstein hilft bei Grenzfällen. Frag dich, was passiert, wenn die Aufgabe heute nicht erledigt wird. Bei einer kleinen Aufgabe wartet jemand einen Tag länger. Bei einer mittleren verschiebt sich ein Termin. Bei einer großen verschiebt sich dein Wochenziel. Die Folgen sagen oft mehr über die Größe als die geschätzte Dauer.

Die 1-3-5-Methode in fünf Schritten

Die Methode braucht am Abend etwa zehn Minuten und am Morgen eine. Die Schritte sind für einen Vollzeittag gedacht. Wer Teilzeit arbeitet oder viele Termine hat, der verkleinert die Zahlen, wie weiter unten beschrieben. Die Reihenfolge der Schritte ist dabei kein Zufall.

  1. Die große Aufgabe aus dem Wochenziel ableiten

    Schau auf deine Wochenziele, bevor du irgendetwas anderes aufschreibst. Welcher Schritt von zwei bis drei Stunden bringt eines davon morgen sichtbar voran? Diese Aufgabe kommt zuerst auf die Liste. Steht kein Wochenziel fest, ist das der eigentliche Engpass, nicht die Liste.

  2. Drei mittlere Aufgaben auswählen

    Hier landen Angebote, Vorbereitungen, Abstimmungen und alles, was eine echte Sitzung braucht. Wähle drei, die entweder auf ein Wochenziel einzahlen oder auf die jemand wartet. Alles Weitere bekommt einen anderen Tag.

  3. Fünf kleine Aufgaben festlegen

    Rückrufe, Freigaben, kurze Antworten. Nimm die fünf, die morgen fällig sind oder jemanden blockieren. Alle übrigen Kleinigkeiten kommen auf eine Sammelliste, die du einmal pro Woche in einem Block abarbeitest.

  4. Die große Aufgabe in den Kalender legen

    Reserviere zwei bis drei Stunden am Stück, am besten in deiner konzentriertesten Tageszeit. Ohne Termin im Kalender wird die große Aufgabe zur Restgröße. Die mittleren und kleinen brauchen keinen festen Termin, sie füllen die Lücken.

  5. Am Abend zählen, nicht bewerten

    Prüfe vor Feierabend nur zwei Dinge: Ist die große Aufgabe fertig, und wie viele der neun sind erledigt? Notiere beide Zahlen. Nach zwei Wochen siehst du, ob deine Größen stimmen oder ob du dich systematisch verschätzt.

Wer mit den kleinen Aufgaben beginnt, der füllt die Liste mit dem, was am lautesten ist, und für die große Aufgabe bleibt nur, was übrig ist. Von oben nach unten zu planen, also erst groß, dann mittel, dann klein, ist schon die halbe Wirkung der Methode. Die andere Hälfte ist der Kalendereintrag in Schritt vier. Ohne ihn verhandelst du jeden Morgen neu, ob die große Aufgabe heute wirklich dran ist.

Ein Detail entscheidet über den Morgen: Die Liste steht schon, wenn du den Rechner aufklappst. Wer erst nach dem Postfach plant, der plant mit den Prioritäten anderer Leute. Deshalb gehört die Planung an das Ende des Vortags, wenn du noch weißt, was offen ist, und noch nicht weißt, was morgen hereinkommt.

Das Beispiel: Miras zwei Wochen mit der 1-3-5-Methode

Mira hat die Regel zwei Arbeitswochen lang ausprobiert und vorher zwei Wochen lang nur mitgezählt, wie sie bisher arbeitet. Ihre Ausgangslage war typisch. Morgens standen im Schnitt 27 Punkte auf ihrer Liste, abends waren rund 15 davon erledigt, und fast alle davon waren klein. Das Konzept für das neue Firmenpaket „Sommerfest kompakt“ lag seit vier Wochen bei Seite drei.

In der ersten Woche mit der Regel strich sie jeden Abend rund 18 Punkte auf neun herunter. Das fühlte sich falsch an. Was, wenn ein Caterer auf eine Antwort wartet, die gerade nicht auf der Liste steht? Die Antwort kam am dritten Tag. Die meisten gestrichenen Kleinigkeiten erledigten sich in den zweieinhalb Stunden Puffer oder wurden am nächsten Tag zu einem der fünf kleinen Plätze. Nichts Wichtiges ging verloren.

KennzahlZwei Wochen vorher, offene ListeZwei Wochen mit 1-3-5
Punkte auf der Liste am Morgen27 im Schnittneun
Erledigte Aufgaben pro Tagrund 15, fast alle klein7,8 im Schnitt
Große Aufgabe am selben Tag fertigkeine festgelegtan sieben von zehn Tagen
Konzept „Sommerfest kompakt“seit vier Wochen bei Seite dreiEntwurf nach acht Arbeitstagen fertig
Mails innerhalb von 24 Stunden beantwortetfast allefast alle, gebündelt in zwei Blöcken
Überstunden pro Wocheetwa sechs Stundenetwa zwei Stunden
Miras zwei Wochen vor und mit der 1-3-5-Regel, gezählt in ihrem Notizbuch

Die auffälligste Zahl ist nicht die große Aufgabe. Es ist die Zahl der erledigten Aufgaben, die von 15 auf knapp acht gesunken ist, während Mira deutlich mehr bewegt hat. Wer nur Haken zählt, der hält die erste Woche für einen Rückschritt. Wer auf das Konzept schaut, der sieht, dass zum ersten Mal seit einem Monat etwas Großes fertig geworden ist.

Die drei Tage, an denen die große Aufgabe nicht fertig wurde, hatten einen gemeinsamen Grund. An allen dreien lag vormittags ein Kundentermin mit Anfahrt, und die zwei bis drei Stunden am Stück gab es schlicht nicht. Mira hat daraus eine eigene Regel gemacht. An Tagen mit Außenterminen plant sie keine große Aufgabe, sondern vier mittlere. Das ist kein Bruch der Methode, sondern ihre Anpassung an einen echten Kalender.

Weniger Haken, mehr Wirkung

Die Zahl der erledigten Aufgaben ist die verführerischste Kennzahl im Büro und die am wenigsten aussagekräftige. Mira hat mit der offenen Liste fast doppelt so viele Haken gesetzt und ist ihrem Quartalsziel in vier Wochen keinen Schritt nähergekommen. Miss bei der 1-3-5-Regel deshalb vor allem eine Zahl: An wie vielen Tagen der Woche ist die große Aufgabe fertig geworden?

Die drei Fehler, die niemand bemerkt

Die 1-3-5-Regel scheitert selten laut. Sie scheitert leise, an drei Stellen, die von außen wie eine funktionierende Liste aussehen.

Fehler eins: Die große Aufgabe ist ein Projekt

Der häufigste Fehler: ein Projekt auf dem großen Platz

„Konzept schreiben“, „Website überarbeiten“, „Steuererklärung machen“: Solche Einträge sehen aus wie große Aufgaben, sind aber Projekte. Sie lassen sich an einem Tag nicht abschließen, und eine Zeile, die abends nie fertig ist, verliert nach drei Tagen ihre Kraft. Prüfe den großen Platz mit einer Frage: Kann ich heute Abend sagen, dass genau diese Zeile erledigt ist? Wenn nicht, zerlege sie, bis die Antwort ja lautet.

Mira hat diesen Fehler an den ersten beiden Tagen selbst gemacht. Auf dem großen Platz stand zweimal „Konzept Sommerfest kompakt“. Erst als sie daraus „Kalkulation für 150 Gäste“, „Leistungsbeschreibung auf zwei Seiten“ und „Preisstaffel für drei Größen“ machte, wurde der große Platz abends tatsächlich abgehakt.

Fehler zwei: Die kleinen Plätze laufen über

Fünf kleine Aufgaben sind eine Obergrenze, keine Startzahl. Trotzdem wächst diese Gruppe bei vielen, die die Regel ausprobieren, still auf acht oder zehn. Jede einzelne Kleinigkeit wirkt harmlos. Zusammen fressen sie genau die Stunde, die der großen Aufgabe gefehlt hat. Wer abends regelmäßig mehr als fünf kleine Haken setzt, der braucht keine strengere Liste, sondern zwei feste Blöcke für Kleinkram, etwa um 11 Uhr und um 16 Uhr.

Fehler drei: Neun Aufgaben an einem Tag voller Termine

Die Regel geht von einem Tag aus, an dem du über den Großteil deiner Zeit selbst verfügst. Wer fünf Stunden in Besprechungen sitzt, der hat keine fünfeinhalb Stunden für neun Aufgaben. Trotzdem schreiben viele an solchen Tagen die volle Liste und erleben abends ein Scheitern, das schon morgens feststand. Zähl deshalb vor dem Planen deine freien Stunden. Unter vier freien Stunden gilt eine kleinere Version, etwa 1-2-3, oder gar keine große Aufgabe.

1-3-5-Regel, Ivy Lee, Eat the Frog, ABC: welche Methode wofür gebaut ist

Die 1-3-5-Regel ist nicht die einzige Methode, die eine Tagesliste begrenzt. Sie unterscheidet sich von ihren Nachbarn vor allem darin, dass sie nach Größe sortiert und nicht nach Wichtigkeit oder Reihenfolge. Jede der folgenden Methoden ist für ein anderes Problem gebaut.

MethodeWas sie regeltGebaut für
1-3-5-Regeldie Mischung aus großen, mittleren und kleinen AufgabenTage mit viel Kleinkram, in dem das Große untergeht
Ivy-Lee-Methodesechs Aufgaben in fester ReihenfolgeTage, an denen du ständig zwischen Aufgaben springst
Eat the Frogdie eine unangenehme Aufgabe zuersteine Aufgabe, vor der du dich seit Tagen drückst
ABC-MethodeAufgaben nach Wert in drei Klasseneine lange Liste, die nach Bedeutung geordnet werden muss
Vier Methoden für die Tagesliste und das Problem, für das sie gebaut sind

Wer zwischen Aufgaben springt, statt bei einer zu bleiben, findet in der Ivy-Lee-Methode die strengere Schwester der 1-3-5-Regel. Wer eine bestimmte Aufgabe seit Tagen meidet, ist mit Eat the Frog besser bedient. Und wer überhaupt erst herausfinden muss, welche Aufgaben Wert haben, beginnt mit der ABC-Methode. Die Methoden schließen sich nicht aus. Viele erledigen den großen Platz der 1-3-5-Regel morgens als Erstes und machen ihn damit zum Frosch des Tages.

Wann die 1-3-5-Regel nicht passt

Die Regel ist für Wissensarbeit mit gemischten Aufgaben gebaut. Für Schichtarbeit, für Tage mit festem Taktplan oder für Phasen, in denen ein einziges Projekt alles verdrängt, passt sie schlecht. Wer eine Woche lang nur an einer Ausschreibung schreibt, der hat keine drei mittleren Aufgaben, sondern eine große, die fünf Tage dauert. Dann ist ein fester Wochenplan mit Zeitblöcken das ehrlichere Werkzeug.

Für Teilzeit und volle Kalender gilt eine einfache Faustregel: Verkleinere die Zahl der Aufgaben, nicht die Idee. Bei vier freien Stunden passen eine große Aufgabe von etwa 90 Minuten, zwei mittlere und drei kleine. Die Mischung bleibt, nur der Umfang schrumpft. Wer dagegen die große Aufgabe streicht und nur noch mittlere und kleine plant, der hat die Regel abgeschafft, ohne es zu merken.

Die 1-3-5-Regel in der Zielkette: Jahr, Quartal, Monat, Woche, Tag

Die 1-3-5-Regel sagt dir, wie viele große Aufgaben du planst, aber nicht, welche. Diese Lücke ist der Grund, warum viele die Methode nach drei Wochen aufgeben. Der große Platz wird dann mit dem gefüllt, was gerade drängt, und die Regel wird zu einer ordentlicheren Version des alten Durcheinanders. Die Antwort auf die Frage nach dem Was liegt nicht in der Tagesliste, sondern darüber.

Bei Mira sieht die Kette so aus:

  • Jahr: Bis Ende 2027 kommt ein Viertel des Umsatzes aus Firmenkunden.
  • Quartal: Das Paket „Sommerfest kompakt“ ist buchbar, die Preisliste steht, und zehn Bestandskunden haben es bekommen.
  • Monat Oktober: Konzept und Kalkulation sind fertig und von der Geschäftsführerin freigegeben.
  • Woche: Kalkulation für drei Paketgrößen, Leistungsbeschreibung auf zwei Seiten, Termin für die Freigabe steht.
  • Tag: Der große Platz gehört der Kalkulation für 150 Gäste. Die drei mittleren Plätze tragen ein Angebot, eine Lieferantenabstimmung und die Vorbereitung eines Kundentermins.
Zielkette von Miras Jahresziel bis zur 1-3-5-Liste: Jahr ein Viertel Umsatz aus Firmenkunden, Quartal Paket buchbar, Monat Kalkulation freigegeben, Woche drei Paketgrößen, Tag Kalkulation für 150 Gäste auf dem großen Platz
Der große Platz der 1-3-5-Regel ist die unterste Stufe der Zielkette.

Das bedeutet: Der große Platz der 1-3-5-Regel ist der Ort, an dem dein Jahresziel den Alltag berührt. Wer ihn jeden Tag aus einem Wochenziel ableitet, der arbeitet an fünf Tagen pro Woche sichtbar am Jahr, ohne dafür mehr Stunden zu brauchen. Wer ihn aus dem Postfach füllt, der hat zwar eine schöne Liste, aber keinen Weg.

Die mittleren Plätze verdienen einen zweiten Blick. Bei Mira zahlt einer von dreien in der Regel ebenfalls auf das Wochenziel ein, die anderen beiden bedienen Kunden und Kollegen. Diese Aufteilung ist gesund. Eine Liste, die ausschließlich auf eigene Ziele einzahlt, ignoriert die Menschen, mit denen du arbeitest. Eine Liste ohne jeden Bezug zum Ziel ist reiner Betrieb.

In einer Ziele-App wie Gaapp lässt sich diese Kette abbilden: Das Jahresziel wird zum Quartalsziel, das Quartalsziel zum Wochenziel, und der große Platz des Tages ist das Tagesziel, das darauf einzahlt. Die drei mittleren und die fünf kleinen Aufgaben bleiben auf deiner normalen Liste.

Vorlage für die 1-3-5-Methode: neun Zeilen auf einem Blatt

Die Vorlage passt auf eine Karteikarte oder in jedes Notizbuch. Neben der Aufgabe steht, worauf sie einzahlt, und am Abend, was aus ihr geworden ist. So siehst du schon beim Schreiben, ob der große Platz einen Bezug zu deinem Wochenziel hat. So sah Miras Blatt am achten Tag aus:

PlatzAufgabe mit abhakbarem ErgebnisZahlt ein aufAm Abend
GroßKalkulation für 150 Gäste fertig, eine TabelleWochenziel: Kalkulation für drei Größenerledigt
Mittel 1Angebot Weihnachtsfeier Autohaus schreiben und sendenKunde wartet darauferledigt
Mittel 2Technikverleih: Preise für Bühne und Licht im Sommer klärenWochenziel: Kalkulationerledigt
Mittel 3Kundentermin am Freitag vorbereiten, AblaufplanTermin steht festÜbertrag
Klein 1Rückruf beim Caterer wegen der AllergenlisteCaterer warteterledigt
Klein 2Rechnung des Fotografen freigebenBuchhaltung warteterledigt
Klein 3Raum für die Freigabe am Donnerstag buchenWochenziel: Terminerledigt
Klein 4Zusage an die Location für den 14. MärzFrist morgenerledigt
Klein 5Kollegin wegen der Urlaubsvertretung antwortenKollegin warteterledigt
Miras 1-3-5-Liste am achten Tag: acht von neun erledigt, die große Aufgabe fertig

Drei Eigenschaften machen die Vorlage zum Werkzeug. Die Spalte „Zahlt ein auf“ verhindert, dass der große Platz ohne Bedeutung bleibt. Die Spalte „Am Abend“ sammelt die Daten für deine Wochenauswertung. Und die Formulierung mit abhakbarem Ergebnis sorgt dafür, dass jede Zeile ein Ende hat. Wie man Aufgaben so formuliert, steht ausführlich im Beitrag über die To-do-Liste, die fertig wird.

Der Übertrag in der vierten Zeile ist kein Makel. Ein Übertrag auf einem mittleren Platz kostet dich nichts, solange er morgen einen Platz bekommt. Kritisch wird es erst, wenn dieselbe Zeile zum dritten Mal wandert. Dann ist sie entweder zu groß, zu unklar oder nicht wichtig genug, und genau das solltest du entscheiden, statt sie weiterzuschieben.

Drei Fragen vor dem Feierabend

Bevor du die Liste für morgen schreibst, beantworte drei Fragen:

  1. Ist die große Aufgabe heute fertig geworden, und wenn nicht, lag es an der Größe oder am Kalender?
  2. Wie viele kleine Aufgaben habe ich wirklich erledigt, fünf oder doch neun?
  3. Zahlt der große Platz von morgen auf ein Wochenziel ein oder nur auf ein volles Postfach?

Wer diese drei Fragen zwei Wochen lang ehrlich beantwortet, der kennt seine echten Aufgabengrößen besser als jede Vorlage. Kurz gesagt: Die 1-3-5-Regel ist keine Liste, die dich organisiert, sondern ein Budget, das dich zwingt, jeden Tag einmal groß zu entscheiden.

Häufige Fragen zur 1-3-5-Regel

Was bedeutet 1/3/5?

Im Zeitmanagement steht 1/3/5 für die 1-3-5-Regel: eine große, drei mittlere und fünf kleine Aufgaben pro Arbeitstag. Die Zahlen begrenzen die Tagesliste nach Größe, damit die wichtige Arbeit nicht im Kleinkram untergeht. In anderen Zusammenhängen, etwa beim Sport oder in der Fotografie, meint dieselbe Zahlenfolge etwas völlig anderes.

Wie setzt man richtig Prioritäten?

Prioritäten entstehen nicht auf der Tagesliste, sondern darüber. Lege zuerst wenige Wochenziele fest und frage dann bei jeder Aufgabe, ob sie auf eines davon einzahlt oder ob jemand auf sie wartet. Erst danach hilft eine Methode wie die 1-3-5-Regel, die ausgewählten Aufgaben auf einen realistischen Tag zu verteilen.

Wie funktioniert die 6-3-5-Methode?

Die 6-3-5-Methode ist keine Variante der 1-3-5-Regel, sondern eine Kreativtechnik zur Ideenfindung. Sechs Personen schreiben je drei Ideen auf ein Blatt und geben es nach fünf Minuten weiter, bis jedes Blatt bei allen war. Am Ende liegen bis zu 108 Ideen vor. Mit Tagesplanung hat sie außer der Zahlenfolge nichts gemeinsam.

Was ist die 60 60 30 Methode?

Die 60-60-30-Methode regelt Arbeitsblöcke, nicht die Auswahl der Aufgaben. Du arbeitest zweimal 60 Minuten, jeweils 50 Minuten konzentriert und 10 Minuten Pause, und machst danach 30 Minuten Pause. Sie passt gut zur 1-3-5-Regel, wenn die große Aufgabe genau diese beiden Blöcke bekommt.

Was ist der Unterschied zwischen der 1-3-5-Regel und der Ivy-Lee-Methode?

Die Ivy-Lee-Methode begrenzt den Tag auf sechs Aufgaben und legt eine feste Reihenfolge fest. Die 1-3-5-Regel begrenzt auf neun und sortiert nach Größe, die Reihenfolge bleibt dir überlassen. Wer viel Kleinkram hat, fährt mit 1-3-5 besser, wer ständig zwischen Aufgaben springt, mit Ivy Lee.

Was mache ich, wenn ein Notfall den Plan sprengt?

Dann tauschst du, statt zu ergänzen. Der Notfall nimmt einen Platz ein, meist einen mittleren oder den großen, und die verdrängte Aufgabe wandert auf morgen. Die Liste bleibt bei neun Zeilen. Häufen sich solche Tage, plane dauerhaft weniger und lass mehr Puffer.

Zuletzt aktualisiert: 6. Oktober 2026

Weiterlesen