Werte-Liste: 100 Werte und wie du deine drei findest
Werte-Liste mit 100 Werten in zehn Familien, Beispiele für persönliche Werte, eine Übung in sechs Schritten und der Weg vom Wert zum Jahresziel.

Inhalt
- 01Was Werte sind und was nicht
- 02Werte-Liste: 100 Werte in zehn Wertefamilien
- 03Persönliche Werte Beispiele: wie aus einem Wort dein Wert wird
- 04Persönliche Werte finden: in sechs Schritten von 100 auf drei
- 05Drei Fehler, die eine Werteliste wertlos machen
- 06Wenn Werte kollidieren: der Wertekreis nach Schwartz
- 07Vom Wert zum Ziel: Richtung statt Ort
- 08Deine Werte in der Zielkette: vom Jahr bis zum Dienstag
- 09Unternehmenswerte und persönliche Werte
- 10Werte prüfen: fünf Fragen für jedes Quartal
Eine Werte-Liste ist kein Persönlichkeitstest. Sie ist eine Sammlung von Begriffen wie Freiheit, Familie, Ehrlichkeit oder Erfolg, aus der du die drei bis fünf persönlichen Werte auswählst, nach denen du entscheiden willst. Ein Test sagt dir, wer du angeblich bist. Die Liste fragt dich, wofür du stehst, und lässt dich die Antwort selbst schreiben.
Hundert Begriffe sind dabei der leichte Teil. Schwer wird es beim Kürzen, beim Übersetzen in eigene Sätze und beim Abgleich mit dem Kalender, denn dort zeigt sich, welche Werte du lebst und welche du nur gut findest. Durchgespielt wird das an Jonas, 38, Projektleiter bei einem Maschinenbauer in Kassel und Vater von zwei Kindern. Er hat ein Angebot auf dem Tisch: Bereichsleitung, 14.000 Euro mehr im Jahr, dafür drei Tage pro Woche bei Kunden in Süddeutschland. Dazu kommen 100 Werte in zehn Familien, eine Übung in sechs Schritten und der Weg vom Wert zum Jahresziel.
Was Werte sind und was nicht
Werte sind Überzeugungen darüber, was dir im Leben wichtig ist, und sie gelten über einzelne Situationen hinaus. Der Sozialpsychologe Shalom Schwartz beschreibt sie 1992 als wünschenswerte Ziele, die als Leitprinzipien im Leben eines Menschen dienen und unterschiedlich wichtig sind. Das Entscheidende steckt im letzten Teil. Fast jeder findet Ehrlichkeit und Gesundheit gut. Werte unterscheiden Menschen erst dadurch, welcher Wert gewinnt, wenn zwei sich widersprechen.
Was gehört alles zu Werten? Weniger, als die meisten Listen nahelegen. Viele Sammlungen werfen fünf verschiedene Dinge in einen Topf. Keines davon ist falsch, nur ist jedes für etwas anderes gebaut:
- Werte sind Richtungen, die nie erledigt sind. Familie, Freiheit, Gerechtigkeit. Du kannst ihnen folgen, aber du kommst nie an.
- Ziele sind Orte mit Datum. „Bis Juni 2027 zehn Kilo leichter“ ist ein Ziel. Es wird erreicht und abgehakt, ein Wert nie.
- Tugenden sind Haltungen, mit denen du einem Wert folgst. Mut, Geduld oder Fleiß beschreiben das Wie, nicht das Wofür.
- Bedürfnisse sind Mangelzustände wie Schlaf, Nähe oder Sicherheit. Sie melden sich von selbst. Die bekannteste Ordnung dafür ist die Bedürfnispyramide nach Maslow. Werte musst du wählen.
- Interessen sind Themen, die dich anziehen, etwa Fotografie oder Geschichte. Ein Interesse wird zum Wert, wenn du dafür auf etwas anderes verzichten würdest.
Das bedeutet: Eine gute Werteliste mischt diese Ebenen nicht, oder sie sagt dir zumindest, welche Ebene du gerade vor dir hast. Wer Mut und Freiheit in dieselbe Spalte schreibt, vergleicht ein Werkzeug mit einer Richtung. Am Ende stehen dann drei Tugenden auf dem Zettel und kein einziges Wohin.
Terminale und instrumentelle Werte
Der Psychologe Milton Rokeach trennte 1973 in seinem Buch „The Nature of Human Values“ zwei Arten von Werten. 18 terminale Werte beschreiben Endzustände wie Freiheit, Weisheit oder innere Harmonie. 18 instrumentelle Werte beschreiben Verhaltensweisen wie ehrlich, mutig oder verantwortungsvoll. Terminale Werte sagen, wohin du willst. Instrumentelle sagen, wie du gehst. Für die Auswahl deiner Kernwerte lohnt es sich, beide getrennt zu halten.
Werte-Liste: 100 Werte in zehn Wertefamilien
Die folgende Liste ordnet 100 Werte den zehn Grundwerten zu, die Schwartz 1992 in Befragungen aus 20 Ländern gefunden hat. Seine Theorie gehört zu den am häufigsten untersuchten Modellen menschlicher Werte. 2012 hat er sie mit Kollegen auf 19 feinere Werte erweitert. Die Zuordnung der einzelnen Begriffe ist unsere Sortierung entlang seiner Definitionen, keine Originalliste von Schwartz. Den Grundwert Hedonismus nennen wir hier Genuss. Lies die Liste einmal ganz, bevor du etwas anstreichst.
| Wertefamilie | Worum es geht | Zehn Werte aus der Liste |
|---|---|---|
| Selbstbestimmung | Selbst denken, selbst wählen, selbst handeln | Freiheit, Unabhängigkeit, Kreativität, Neugier, Autonomie, Selbstständigkeit, Wissen, Individualität, Eigenverantwortung, Originalität |
| Stimulation | Neues erleben, Abwechslung, Herausforderung | Abenteuer, Abwechslung, Mut, Spontaneität, Begeisterung, Herausforderung, Lebendigkeit, Risikobereitschaft, Entdeckergeist, Leidenschaft |
| Genuss | Freude und sinnliches Erleben | Genuss, Freude, Humor, Lebensfreude, Leichtigkeit, Schönheit, Entspannung, Muße, Sinnlichkeit, Vergnügen |
| Leistung | Erfolg durch Können, den andere anerkennen | Erfolg, Ehrgeiz, Kompetenz, Exzellenz, Fleiß, Zielstrebigkeit, Wachstum, Professionalität, Effizienz, Meisterschaft |
| Macht | Einfluss, Status, Kontrolle über Mittel | Einfluss, Status, Wohlstand, Anerkennung, Autorität, Führung, Kontrolle, Durchsetzungskraft, Prestige, Gestaltungsmacht |
| Sicherheit | Stabilität für dich und deine Nächsten | Gesundheit, Stabilität, Ordnung, Geborgenheit, Familie, Zugehörigkeit, Verlässlichkeit, Vorsorge, Struktur, Ruhe |
| Konformität | Regeln achten, andere nicht verletzen | Pflichtbewusstsein, Disziplin, Höflichkeit, Respekt, Selbstbeherrschung, Pünktlichkeit, Rücksicht, Anstand, Regeltreue, Zurückhaltung |
| Tradition | Herkunft, Glaube und Bräuche bewahren | Tradition, Glaube, Spiritualität, Demut, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Heimat, Herkunft, Hingabe, Akzeptanz |
| Wohlwollen | Für die Menschen sorgen, die dir nahe sind | Ehrlichkeit, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Verantwortung, Vergebung, Großzügigkeit, Treue |
| Universalismus | Gerechtigkeit und Schutz für alle Menschen und die Natur | Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Toleranz, Nachhaltigkeit, Frieden, Weisheit, Mitgefühl, Fairness, Naturverbundenheit, Weltoffenheit |
Was sind die zehn wichtigsten Werte? Eine allgemeingültige Rangfolge gibt es nicht, und jede Liste, die eine behauptet, verwechselt ihre eigene Gewichtung mit der Wirklichkeit. Die belastbarste Antwort sind die zehn Familien der Tabelle selbst, denn Schwartz fand sie in sehr unterschiedlichen Kulturen wieder. Gleich sind dabei die Werte, nicht ihre Reihenfolge. Welche Familie bei dir oben steht, entscheidet die Übung weiter unten.
Welche guten Werte gibt es? Alle hundert sind gute Werte, und genau das macht die Auswahl so schwer. Niemand streicht Ehrlichkeit, weil sie schlecht wäre. Wer seine Werte finden will, sucht deshalb nicht nach guten Werten. Er sucht nach den wenigen, für die er auf andere gute Werte verzichten würde.
Persönliche Werte Beispiele: wie aus einem Wort dein Wert wird
Persönliche Werte sind die drei bis fünf Begriffe aus der Liste, die du für dich ausgewählt und mit eigener Bedeutung gefüllt hast. Das Wort allein reicht nicht. Familie kann heißen: jeden Abend gemeinsam essen. Es kann auch heißen: genug verdienen, damit die Kinder später ohne Schulden studieren. Zwei Menschen kreuzen dasselbe Wort an und treffen danach entgegengesetzte Entscheidungen.
Jonas hat für seine fünf Kandidaten je einen Satz geschrieben und daneben notiert, woran man den Wert in seinem Kalender sehen müsste. Dann hat er die letzten 14 Tage gezählt. Die Tabelle zeigt fünf Beispiele für persönliche Werte, wie sie nach dieser Übung aussehen.
| Wert | Jonas’ eigener Satz | Woran man ihn im Kalender sieht | Die letzten 14 Tage |
|---|---|---|---|
| Familie | Ich bin zum Abendessen da und kenne die Woche meiner Kinder. | Abendessen um 18:30 Uhr, freie Wochenenden | 6 von 10 Werktagen, 1 von 2 Wochenenden |
| Kompetenz | Ich löse technische Probleme selbst, statt sie nur zu verteilen. | Stunden an echter Konstruktionsarbeit | 3 Stunden |
| Gesundheit | Ich bin mit 60 so beweglich, dass ich mit Enkeln Rad fahre. | Läufe, Schlaf vor 23 Uhr | 1 Lauf, 5 von 14 Nächten |
| Freiheit | Ich entscheide über meine Zeit, nicht mein Postfach. | Blöcke ohne Termine | 2 Blöcke |
| Ehrlichkeit | Ich sage im Projekt früh, wenn ein Termin nicht hält. | Risiken, die vor dem Termin gemeldet wurden | 2 von 2 Verzögerungen früh gemeldet |
Die rechte Spalte ist unbequem, und genau dafür ist sie da. Ehrlichkeit lebt Jonas schon. Familie lebt er zu 60 Prozent, Gesundheit fast gar nicht. Das bedeutet: Ein Wert, der nirgends im Kalender auftaucht, ist entweder ein Wunsch oder ein Auftrag. Beides ist in Ordnung, solange du weißt, welches von beiden du vor dir hast.
Fällt dir auf, dass Jonas keinen Wert aus Macht oder Tradition gewählt hat? Das ist kein Fehler der Liste. Die meisten Menschen landen bei drei bis vier Familien, die nebeneinander auf dem Wertekreis liegen. Wer Werte aus genau gegenüberliegenden Familien wählt, sollte damit rechnen, dass sie sich regelmäßig streiten.
Persönliche Werte finden: in sechs Schritten von 100 auf drei
Die Übung dauert knapp eine Stunde und braucht nur die Liste oben, einen Stift und deinen Kalender der letzten zwei Wochen. Wer sie in einem Rutsch macht, entscheidet aus der Stimmung des Tages heraus. Besser sind zwei Sitzungen: die Schritte eins bis drei heute, die Schritte vier bis sechs zwei Tage später, wenn der erste Eindruck sich gesetzt hat.
Anstreichen ohne Nachdenken, zehn Minuten
Lies alle 100 Werte und kreuze jeden an, bei dem du innerlich nickst. Nicht abwägen, nicht streichen. Ergänze, was dir fehlt, denn die Liste ist ein Startpunkt und kein Katalog. Jonas hatte nach zehn Minuten 31 Kreuze.
Verwandte Werte bündeln, zehn Minuten
Fasse zusammen, was für dich dasselbe meint. Bei Jonas wurden Freiheit, Unabhängigkeit und Autonomie zu Freiheit, und Kompetenz, Meisterschaft und Professionalität zu Kompetenz. Als Namen nimmst du das Wort, das dich am stärksten anspricht. Aus 31 Kreuzen wurden 14 Bündel.
Auf zehn kürzen mit der Verzichtsfrage, zehn Minuten
Vergleiche je zwei Werte und frag: Wenn ich nur einen davon behalten darf, welcher bleibt? Der andere fliegt raus. Das fühlt sich hart an und ist der wichtigste Schritt, denn Werte zeigen sich erst im Konflikt. Jonas kam nach drei Runden auf zehn.
Auf drei bis fünf kürzen mit der Preisfrage, zehn Minuten
Frag bei jedem verbliebenen Wert: Würde ich ihm folgen, wenn es mich Geld, Ansehen oder Bequemlichkeit kostet? Was diese Frage nicht übersteht, ist ein Wert, den du schätzt, aber nicht trägst. Bei Jonas blieben erst fünf, dann drei: Familie, Kompetenz, Gesundheit.
Jeden Wert in einem Satz definieren, fünf Minuten
Schreib zu jedem Kernwert einen Satz, der mit „Ich“ beginnt und ein Verhalten enthält. Nicht „Familie ist mir wichtig“, sondern ein Satz, an dem du dich messen kannst. Die Sätze in der Tabelle oben sind genau so entstanden.
Mit dem Kalender abgleichen, zehn Minuten
Geh die letzten 14 Tage durch und zähl, wo jeder Wert vorkam. Was gelebt wird, bleibt ein Maßstab. Was fehlt, wird ein Ziel. Jonas hat am Ende einen Satz unter seine Liste geschrieben: Familie zuerst, Kompetenz im Job, Gesundheit als Voraussetzung für beides.
Warum steht der Kalender am Ende und nicht am Anfang? Louis Raths, Merrill Harmin und Sidney Simon haben 1966 in „Values and Teaching“ die Methode der Werteklärung beschrieben. Nach ihren sieben Kriterien ist etwas erst dann ein Wert, wenn du es frei und aus Alternativen gewählt, die Folgen bedacht, es geschätzt, dazu gestanden, danach gehandelt und das wiederholt hast. Die ersten fünf Schritte prüfen die Wahl. Der Kalender prüft das Handeln.
Der häufigste Fehler: Wunschwerte statt gelebter Werte
Die meisten wählen die Werte, die sie gern hätten, und nicht die, nach denen sie tatsächlich entscheiden. Wer Abenteuer ankreuzt und seit drei Jahren denselben Urlaubsort bucht, beschreibt ein Selbstbild. Das ist kein Vorwurf, denn Wunschwerte zeigen, wohin du willst. Sie gehören nur in eine andere Spalte: Sie sind Kandidaten für Ziele und keine Maßstäbe für die Entscheidungen von heute.
Drei Fehler, die eine Werteliste wertlos machen
Wertelisten sind ein gutes Werkzeug. Sie geben dir Wörter für etwas, das sonst nur ein Gefühl wäre. Für Entscheidungen sind sie aber erst gebaut, wenn du sie kürzt und prüfst. Drei weitere Fehler sorgen dafür, dass die Liste nach einer Woche in der Schublade liegt:
- Zu viele Werte. Wer zwölf Kernwerte hat, hat keinen, denn in jedem Konflikt findet sich einer, der die bequeme Wahl rechtfertigt. Die Forscherin Brené Brown lässt in „Dare to Lead“ von 2018 sogar auf zwei Werte kürzen. Drei bis fünf sind ein guter Mittelweg für den Anfang.
- Werte ohne eigene Definition. Ein Wort ohne Satz ist ein Etikett. Erst der Satz entscheidet, ob Familie Abendessen oder Studienkonto bedeutet, und ob Freiheit freie Abende oder ein eigenes Unternehmen meint.
- Werte, die nie eine Entscheidung treffen. Eine Liste, die bei der nächsten Zusage, der nächsten Absage und dem nächsten Jahresziel nicht auf dem Tisch liegt, bleibt Dekoration. Werte wirken nur dort, wo sie etwas ausschließen.
Kurz gesagt: Eine Werteliste ist erst dann fertig, wenn sie dir sagen kann, wozu du nein sagst. Alles davor ist Vorarbeit.
Wenn Werte kollidieren: der Wertekreis nach Schwartz
Werte stehen nicht friedlich nebeneinander, sie ziehen in verschiedene Richtungen. Schwartz ordnet die zehn Familien in einem Kreis an. Benachbarte Werte vertragen sich, gegenüberliegende geraten in Konflikt. Daraus ergeben sich vier Pole und zwei Spannungsachsen: Offenheit für Wandel gegen Bewahrung, Selbststärkung gegen Selbsttranszendenz.

Jonas’ Angebot ist ein Lehrbuchfall für diese Achsen. Die Bereichsleitung zahlt auf Leistung und Macht ein, also auf Einfluss, Status und 14.000 Euro. Drei Reisetage pro Woche kosten Wohlwollen und Sicherheit, also die Abende mit den Kindern und die Läufe am Morgen. Keiner dieser Werte ist falsch. Die Frage ist nur, welcher gewinnt, wenn beide nicht gleichzeitig gehen.
Jonas hat die Frage mit seinen drei Sätzen beantwortet. Familie zuerst bedeutet: Drei Reisetage sind ausgeschlossen, egal bei welchem Gehalt. Kompetenz im Job bedeutet: Die neue Rolle reizt ihn wirklich, er will sie nicht reflexhaft absagen. Also hat er die Stelle mit einem Reisetag angefragt statt mit drei. Die Antwort steht noch aus. Was er bei drei Tagen sagt, steht schon fest. Wie man solche Abwägungen Schritt für Schritt strukturiert, zeigt der Artikel Entscheidungen treffen.
Wie stark Werte das Verhalten tatsächlich steuern, ist gut untersucht, und die Antwort ist nüchterner, als viele Ratgeber versprechen. Anat Bardi und Shalom Schwartz fanden 2003, dass der Zusammenhang je nach Wert sehr unterschiedlich ausfällt: deutlich bei Tradition und Stimulation, schwächer bei anderen. Wer nur weiß, was ihm wichtig ist, handelt noch lange nicht danach. Genau deshalb braucht ein Wert einen Satz, eine Zahl und einen Termin.
Vom Wert zum Ziel: Richtung statt Ort
Ein Wert ist eine Himmelsrichtung, ein Ziel ist eine Stadt. Diese Unterscheidung stammt aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie, die Steven Hayes, Kirk Strosahl und Kelly Wilson 1999 beschrieben haben. Wer nach Westen fährt, kommt nie im Westen an. Er kommt in Dortmund, Aachen und Brüssel an, und jede dieser Städte ist ein Ziel auf dem Weg in dieselbe Richtung.
Für die Zielsetzung ist das mehr als ein schönes Bild. Kennon Sheldon und Andrew Elliot haben 1999 gezeigt, dass Menschen Ziele, die zu ihren Werten und Interessen passen, ausdauernder verfolgen, eher erreichen und nach dem Erreichen zufriedener sind. Sie nennen solche Ziele selbstkonkordant. Ziele, die man aus Pflicht oder für die Anerkennung anderer verfolgt, verlieren dagegen schneller an Kraft. Das bedeutet: Wer Ziele ohne Werte setzt, verfolgt oft die Ziele anderer Leute.
Werte aufschreiben: was die Forschung zeigt und was nicht
Geoffrey Cohen und Kollegen ließen 2006 Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Schuljahrs in einer kurzen Schreibübung über einen Wert schreiben, der ihnen wichtig war. Bei einer Gruppe, die unter dem Druck von Vorurteilen lernte, wurde die Notenlücke danach kleiner. Spätere, größere Studien von Paul Hanselman und Kollegen 2017 fanden deutlich schwächere Effekte. Werte aufzuschreiben ist also kein Wundermittel, aber mehr als eine Bastelübung.
Wenn du aus deinen Werten Lebensziele ableiten willst, hilft der Artikel Lebensziele finden beim nächsten Schritt. Wer noch eine Ebene tiefer fragen will, wofür das alles gut ist, findet unter Sinn des Lebens finden eine Inventur über 14 Tage. Hier geht es um etwas Kleineres und Dringenderes: den einen Wert, der im Kalender fehlt, bis zum nächsten Dienstag sichtbar zu machen.
Deine Werte in der Zielkette: vom Jahr bis zum Dienstag
Ein Wert, der nur auf Papier steht, ändert nichts am Dienstag. Deshalb übersetzt der letzte Schritt jeden Kernwert, der im Kalender fehlt, in eine Kette von Zielen. Oben steht ein Jahresziel als Ort in der Richtung des Werts, darunter folgen Quartal, Monat, Woche und Tag. Jonas hat das für Familie gemacht, den Wert mit der größten Lücke zwischen Satz und Kalender.

Die Zahlen kommen direkt aus dem Kalender-Abgleich. Sechs von zehn Abenden waren es in den letzten zwei Wochen, also 60 Prozent. Vier von fünf Abenden sind 80 Prozent, das ist ehrgeizig und trotzdem machbar. Im November sind das bei 20 Werktagen 16 Abendessen. Am Freitag zählt Jonas nach. Liegt er zwei Wochen hintereinander darunter, sucht er nicht nach mehr Disziplin, sondern nach dem Termin, der den Abend frisst.
Das Quartalsziel ist dabei das wichtigste Glied. Es klärt die Rolle, also die Ursache, statt nur die Abende zu zählen. Wer nur auf der Ebene von Woche und Tag ansetzt, kämpft jeden Abend gegen eine Struktur, die oben festgelegt wurde. Wie diese Kette im Ganzen funktioniert, erklärt die Seite Ziele erreichen.
Eine Regel hält die Kette schlank: Jeder Wert bekommt höchstens ein Jahresziel zur gleichen Zeit. Wer aus drei Werten neun Ziele macht, hat am Ende wieder eine Liste, die niemand abarbeitet. Jonas hat Gesundheit deshalb bewusst auf das nächste Quartal gelegt, obwohl die Lücke dort noch größer ist. Erst die Abende, dann die Läufe am Morgen danach.
Unternehmenswerte und persönliche Werte
Viele suchen eine Werteliste, weil der Arbeitgeber gerade ein Leitbild schreibt oder das Jahresgespräch nach den eigenen Werten fragt. Die Liste oben funktioniert dafür genauso, mit einem Unterschied. Unternehmenswerte sind Versprechen nach außen. Persönliche Werte sind Entscheidungsregeln nach innen.
Der Berater Patrick Lencioni hat 2002 in der Harvard Business Review davor gewarnt, dass viele Wertekataloge von Unternehmen austauschbar und folgenlos sind. Sein bekanntestes Beispiel ist Enron, dessen Jahresbericht Kommunikation, Respekt, Integrität und Exzellenz als Werte nannte. Wer Werte für ein Team auswählt, braucht deshalb dieselbe Prüfung wie für sich selbst: Wozu sagen wir nein, und wo sieht man das im Kalender?
Für dich persönlich gilt: Du musst die Firmenwerte nicht übernehmen. Du solltest nur wissen, wo sie zu deinen passen und wo nicht. Wer bei Leistung und Wachstum mit dem Arbeitgeber übereinstimmt, bei Familie aber gegen jede Erwartung an abendliche Erreichbarkeit arbeitet, kennt seinen nächsten Konflikt schon heute.
Werte prüfen: fünf Fragen für jedes Quartal
Werte ändern sich langsamer als Ziele, aber sie ändern sich. Mit dem ersten Kind, einer Krankheit oder einem Jobwechsel rückt oft eine andere Familie nach oben. Deshalb lohnt sich am Ende jedes Quartals ein kurzer Blick auf die Liste, zusammen mit dem Rückblick auf die Ziele. Fünf Fragen reichen:
- Welche meiner drei Kernwerte haben in diesem Quartal eine Entscheidung getroffen, und welche nicht?
- Wo im Kalender der letzten zwei Wochen sieht man jeden Wert, in Stunden, Abenden oder Terminen?
- Welcher Wert hat gegen einen anderen gewonnen, und würde ich das heute wieder so entscheiden?
- Welches meiner Ziele passt zu keinem meiner Werte, und wessen Ziel ist es eigentlich?
- Stimmt der Satz zu jedem Wert noch, oder beschreibt er inzwischen jemand anderen?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, merkt schnell, ob die Liste noch trägt. Weitere Fragen in diesem Stil findest du im Artikel Selbstreflexion lernen. Kurz gesagt: Deine Werte stehen nicht auf der Liste, sie stehen in deinem Kalender.
Was sind die 10 wichtigsten Werte?
Eine allgemeingültige Rangfolge gibt es nicht. Am besten belegt sind die zehn Grundwerte von Shalom Schwartz: Selbstbestimmung, Stimulation, Genuss, Leistung, Macht, Sicherheit, Konformität, Tradition, Wohlwollen und Universalismus. Er fand sie 1992 in Befragungen aus 20 Ländern. Welche davon für dich die wichtigsten sind, zeigt nur deine eigene Auswahl.
Was gehört alles zu Werten?
Zu Werten gehören Überzeugungen darüber, was im Leben wichtig ist, etwa Familie, Freiheit oder Gerechtigkeit. Streng genommen nicht dazu gehören Ziele mit Datum, Tugenden wie Mut, die das Wie beschreiben, und Bedürfnisse wie Schlaf. Viele Listen mischen diese Ebenen, deshalb lohnt es sich, sie beim Auswählen zu trennen.
Welche 5 Beispiele gibt es für Werte?
Fünf häufige Beispiele sind Familie, Gesundheit, Freiheit, Ehrlichkeit und Erfolg. Sie gehören zu verschiedenen Wertefamilien nach Schwartz. Zum persönlichen Wert werden sie erst, wenn du einen eigenen Satz dazu schreibst, etwa: Ich bin zum Abendessen da und kenne die Woche meiner Kinder.
Welche guten Werte gibt es?
Gut sind fast alle Werte auf einer Werteliste, von Ehrlichkeit über Hilfsbereitschaft bis Nachhaltigkeit. Die eigentliche Frage ist, welche zu dir passen und welche sich im Konflikt mit anderen guten Werten durchsetzen sollen. Darum kürzt die Übung auf drei bis fünf Werte, für die du auf andere verzichten würdest.
Wie viele persönliche Werte sollte man haben?
Drei bis fünf Kernwerte sind ein guter Richtwert. Mit deutlich mehr findet sich in jedem Konflikt ein Wert, der die bequeme Entscheidung rechtfertigt. Weitere Werte, die dir wichtig sind, dürfen auf der langen Liste bleiben, sie entscheiden nur nicht mit.
Wie finde ich meine persönlichen Werte?
Streich auf einer Werteliste alles an, was dich anspricht, bündle Verwandtes und kürze mit der Frage, welchen von zwei Werten du behalten würdest. Schreib zu den letzten drei bis fünf je einen Satz mit einem Verhalten. Zum Schluss prüfst du im Kalender der letzten zwei Wochen, wo jeder Wert tatsächlich vorkommt.
Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2026
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