Führung & Teams
16 min

Selbsteinschätzung Mitarbeitergespräch: so schreibst du sie

Eine Selbsteinschätzung im Mitarbeitergespräch ist kein Eigenlob, sondern Beweisführung: fünf Felder, Satzbauplan, 12 Beispiele, Musterantworten.

Ein Mann im Sakko sitzt mittags vor einem Bürogebäude auf einer Bank, hält ein Notizbuch und blickt nachdenklich auf.
Inhalt
  1. 01Was eine Selbsteinschätzung im Mitarbeitergespräch ist und was nicht
  2. 02Warum die meisten Selbsteinschätzungen zu leise sind
  3. 03Was zur Selbsteinschätzung gehört: fünf Felder
  4. 04Selbsteinschätzung schreiben in fünf Schritten
  5. 05Selbsteinschätzung Beispiele: zwölf Formulierungen, vorher und nachher
  6. 06Mitarbeitergespräch Musterantworten: sechs typische Fragen
  7. 07Selbstbeurteilung als Mitarbeiter: die Skala ehrlich ankreuzen
  8. 08Die drei Fehler, die niemand bemerkt
  9. 09Von der Selbsteinschätzung zur Zielkette: Jahr, Quartal, Monat, Woche, Tag
  10. 10Häufige Fragen zur Selbsteinschätzung im Mitarbeitergespräch

Eine Selbsteinschätzung im Mitarbeitergespräch ist kein Zeugnis, das du dir selbst ausstellst, sondern eine Beweisführung: Du hältst schriftlich fest, welche Ziele du erreicht hast, woran man das sieht, wo es gehakt hat und wohin du als Nächstes willst. Deine Führungskraft legt ihre Einschätzung daneben. Über die Unterschiede zwischen beiden Blättern redet ihr im Gespräch. Wer seine Selbsteinschätzung mit Belegen füllt, der bestimmt, worüber gesprochen wird.

Drei Dinge brauchst du dafür: fünf Felder, die in jede Selbsteinschätzung gehören, einen Satzbauplan, der aus Eindrücken Belege macht, und Formulierungen, die du für deinen eigenen Bogen abwandeln kannst. Durchgespielt wird das an Nora, 32, Einkäuferin bei einem Hersteller von Landmaschinen mit 210 Beschäftigten. Im Januar hat sie ihr Jahresgespräch mit Markus, dem Leiter Einkauf, und zwei Wochen vorher kommt der Bogen aus der Mitarbeitergespräch-Vorlage. Ihr erster Entwurf hatte vier Sätze. Ihr zweiter hatte vier Zahlen, und er hat das Gespräch verändert.

Was eine Selbsteinschätzung im Mitarbeitergespräch ist und was nicht

Die Selbsteinschätzung ist der Teil des Mitarbeitergesprächs, den du vorbereitest, bevor jemand anderes etwas über dich sagt. Viele Betriebe schicken dafür einen Bogen, oft denselben, den auch die Führungskraft ausfüllt. Andere fragen erst im Gespräch: Wie lief dein Jahr? In beiden Fällen gilt dasselbe. Wer vorbereitet ist, der antwortet mit Belegen. Wer nicht vorbereitet ist, der antwortet mit Adjektiven.

Neben der Selbsteinschätzung steht die Fremdeinschätzung, also das Bild, das deine Führungskraft von deinem Jahr hat. Beide Bilder sind unvollständig. Du kennst deinen Aufwand und die Probleme, die nie eskaliert sind. Deine Führungskraft kennt die Wirkung, die bei anderen angekommen ist. Das bedeutet: Die Selbsteinschätzung soll nicht recht behalten, sondern das zweite Bild ergänzen. Wo beide übereinstimmen, reicht ein Satz. Wo sie auseinanderliegen, beginnt das eigentliche Gespräch.

Was sie nicht ist, lässt sich ebenso klar sagen. Sie ist keine Aufgabenbeschreibung, denn deine Führungskraft weiß, was in deiner Stellenbeschreibung steht. Und sie ist kein Ort für Selbstkritik ohne Ausweg. Eine Lücke gehört hinein, aber nur zusammen mit ihrer Ursache und dem nächsten Schritt. Die Tabelle zeigt, wie sich die Selbsteinschätzung von den Formaten unterscheidet, mit denen sie oft verwechselt wird.

FormatWer schreibtBlickrichtungWofür es gebaut ist
SelbsteinschätzungDu, vor dem GesprächRückblick und AusblickBelege liefern, Lücken selbst erklären, Entwicklung anmelden
FremdeinschätzungDeine FührungskraftRückblick, Wirkung nach außenDas zweite Bild liefern, eine Bewertung begründen
360-Grad-FeedbackKollegen, Kunden, Führungskraft und duVerhalten in der ZusammenarbeitBlinde Flecken finden, die keiner allein sieht
ArbeitszeugnisDer Arbeitgeber, meist beim AbschiedRückblick, abschließendEin Dokument für den nächsten Arbeitgeber

Warum die meisten Selbsteinschätzungen zu leise sind

Bescheidenheit ist eine gute Eigenschaft. Im Team macht sie dich angenehm, im Konflikt macht sie dich glaubwürdig. In der Selbsteinschätzung ist sie nur für etwas anderes gebaut. Sie lässt deine Führungskraft raten, und wer rät, der greift auf den Eindruck zurück, den er zuletzt hatte.

Noras erster Entwurf sah so aus: „Ich habe meine Aufgaben im vergangenen Jahr zuverlässig erledigt. Die Zusammenarbeit im Team war gut. Bei der Lieferantenbewertung bin ich nicht ganz fertig geworden. Ich möchte mich gern weiterentwickeln.“ Vier Sätze, keiner davon falsch. Und keiner, den Markus nicht auch ohne Nora hätte schreiben können. Was hätte er mit diesem Entwurf im Gespräch anfangen sollen?

Was fehlt, sind vier Dinge, die nur Nora kennt. Die Normteile sind 4,2 statt der vereinbarten 3 Prozent günstiger geworden. Im Mai hat sie einen insolventen Dichtungslieferanten in neun Arbeitstagen ersetzt, und die Montage stand keinen Tag still. Die Lieferantenbewertung ist genau wegen dieses Mais liegen geblieben. Und sie will die Warengruppe Elektronik übernehmen, die im Sommer frei wird. Markus erinnert sich an den Mai als den Monat, in dem es hektisch war. An die neun Tage erinnert er sich nicht.

Dass Selbstbild und Fremdbild auseinanderliegen, ist gut untersucht. Michael Harris und John Schaubroeck haben 1988 in einer Metaanalyse gezeigt, dass Selbsteinschätzungen und Einschätzungen durch Vorgesetzte nur mäßig übereinstimmen und dass Menschen sich im Schnitt etwas besser bewerten. Daraus folgt nicht, dass du dich zurückhalten sollst. Die Lücke zwischen beiden Bildern schließt sich nicht durch leisere Sätze, sondern durch prüfbare. Eine Zahl kann deine Führungskraft nachrechnen, ein Adjektiv kann sie nur glauben oder nicht.

Das bedeutet: Leise ist nicht dasselbe wie ehrlich. Wer seine Erfolge verschweigt, der verzerrt das Bild genauso wie jemand, der sie aufbläst, nur in die andere Richtung.

Was zur Selbsteinschätzung gehört: fünf Felder

Fünf Felder reichen für jede Selbsteinschätzung, egal wie der Bogen in deinem Betrieb aussieht. Wer die fünf Felder kennt, der kann jeden Bogen füllen und auch ein Gespräch ohne Bogen führen. Die dritte Spalte zeigt Noras Einträge, damit du siehst, wie knapp ein Feld sein darf.

FeldLeitfrageBeispiel: Nora
Ziele und ErgebnisseWelche Ziele waren vereinbart, und wo stehen sie heute, als Zahl?Normteile 4,2 statt 3 Prozent günstiger. Einer von zwei neuen Hydraulik-Lieferanten qualifiziert. Kollegin Jana eingearbeitet.
Beiträge außerhalb der ZieleWas habe ich geleistet, das in keinem Ziel stand?Ersatz für den insolventen Dichtungslieferanten in neun Arbeitstagen, kein Tag Stillstand in der Montage.
Lücken und UrsachenWo bin ich hinter dem Plan geblieben, und warum?38 von 60 A-Lieferanten bewertet. Ursache: der Lieferantenausfall im Mai.
ZusammenarbeitWas hat mir geholfen, was hat mich gebremst, was wünsche ich mir?Frühere Information, wenn die Produktion Stückzahlen ändert. Eine kurze Abstimmung mit Markus je Woche.
EntwicklungWohin will ich, bis wann, und was brauche ich dafür?Warengruppe Elektronik ab dem dritten Quartal, IHK-Lehrgang Fachwirtin für Einkauf ab März.

Das zweite Feld bleibt am häufigsten leer. Was nie geplant war, vergisst man am leichtesten. Bei Nora ist es der wichtigste Satz des ganzen Bogens. Ein vereinbartes Ziel zeigt, dass sie zuverlässig ist. Der Ersatz im Mai zeigt, was sie tut, wenn niemand einen Plan hat.

Vor dem dritten Feld fürchten sich die meisten. Dabei ist es das Feld, in dem du am meisten gewinnen kannst. Wer die Lücke selbst benennt, der bestimmt den Ton, in dem über sie gesprochen wird. Wer sie weglässt, der hört sie von der anderen Seite, als Vorwurf statt als Befund.

Im vierten Feld reicht ein konkreter Wunsch an deine Führungskraft, besser als drei allgemeine. Das fünfte Feld ist der Grund, warum sich die ganze Arbeit lohnt. Hier meldest du an, wohin du willst, bevor die Ziele für das nächste Jahr verteilt werden. Ein Entwicklungsziel reicht, insgesamt höchstens drei Ziele für das Jahr. Warum drei die Obergrenze sind, steht in Warum drei Ziele genug sind.

Selbsteinschätzung schreiben in fünf Schritten

Eine Selbsteinschätzung schreibt man nicht an einem Abend aus dem Gedächtnis. Das Gedächtnis ist für etwas anderes gebaut: Es merkt sich die letzten acht Wochen und die lauteste Krise des Jahres. Alles dazwischen verblasst. Die fünf Schritte unten holen es zurück, in einer festen Reihenfolge, und Nora hat dafür zwei Abende mit je 45 Minuten gebraucht.

  1. Belege sammeln, 30 Minuten

    Du öffnest das Protokoll des letzten Gesprächs, deinen Kalender und deinen Postausgang. Du suchst Zahlen zu jedem Ziel, Rückmeldungen von Kollegen und Kunden und Projekte, die abgeschlossen sind. Nora fand in ihrem Kalender den Mai wieder und in ihrem Postfach drei Mails aus der Montage, die sich für den schnellen Ersatz bedankt hatten.

  2. Ziele abgleichen, 15 Minuten

    Je Ziel eine Zeile: Was war vereinbart, was ist erreicht, wie groß ist der Abstand. Noch ohne Wertung, nur Soll und Ist. Wer hier schon bewertet, der rechnet sich das Jahr schön oder schlecht, bevor die Zahlen auf dem Tisch liegen.

  3. Satzbauplan anwenden, 25 Minuten

    Jede Aussage über eine Stärke folgt dem Plan Ergebnis, Beleg, Wirkung. Jede Aussage über eine Lücke folgt dem Plan Lücke, Ursache, nächster Schritt. Zwei Pläne mit je drei Teilen, mehr Grammatik braucht keine Selbsteinschätzung.

  4. Bewertung ankreuzen, zehn Minuten

    Wenn dein Bogen eine Skala hat, kreuzt du erst jetzt an, nach den Belegen und nicht vor ihnen. Die Stufe muss zu dem Satz passen, der daneben steht. Wer bei 4,2 statt 3 Prozent nur die Mitte ankreuzt, der widerspricht sich selbst.

  5. Wunsch formulieren, zehn Minuten

    Am Ende steht ein Entwicklungsziel mit Zeitraum und dem, was du dafür brauchst. Nicht: Ich möchte mich weiterentwickeln. Sondern: Ich möchte ab dem dritten Quartal die Warengruppe Elektronik übernehmen und brauche dafür den Lehrgang ab März. Wie man solche Sätze baut, zeigen die [SMART-Ziele Beispiele](/smart-ziele-beispiele).

Selbsteinschätzung in fünf Schritten: Belege sammeln 30 Minuten, Ziele abgleichen 15 Minuten, Satzbauplan anwenden 25 Minuten, Bewertung ankreuzen zehn Minuten, Wunsch formulieren zehn Minuten
Zwei Abende mit je 45 Minuten, in einer festen Reihenfolge: erst Belege, dann Bewertung.

Der Satzbauplan: Ergebnis, Beleg, Wirkung

Ergebnis ist, was am Ende da ist. Beleg ist, woran man es sieht. Wirkung ist, was es dem Betrieb gebracht hat. Bei Nora klingt das so: „Ich habe die Preise für Normteile neu verhandelt. Sie liegen 4,2 Prozent unter dem Vorjahr, bei 1,8 Millionen Euro Einkaufsvolumen. Das sind rund 75.600 Euro im Jahr und 1,2 Prozentpunkte mehr als vereinbart.“ Drei Sätze, und Markus muss nichts mehr nachfragen.

Fühlt sich der Satz mit den 75.600 Euro unangenehm an? Für viele ja. Er klingt nach Eigenlob. Nur ist eine Zahl kein Lob, sondern eine Information. Das Lob wäre das Adjektiv davor, hervorragend oder erfolgreich, und genau das lässt der Satzbauplan weg. Wer die Zahl nennt und das Adjektiv weglässt, der überlässt die Bewertung der Führungskraft und gibt ihr trotzdem alles, was sie dafür braucht.

Für Lücken gilt derselbe Bau mit anderen Teilen. Lücke ist, was fehlt, als Zahl. Ursache ist der Grund, ohne Ausrede und ohne Schuldzuweisung. Nächster Schritt ist das, was du ab Januar anders machst. Bei Nora: „Ich habe 38 von 60 A-Lieferanten bewertet. Ursache war der Ausfall im Mai, für den ich die Bewertung zurückgestellt habe. Ab Januar bewerte ich 15 Lieferanten je Quartal, dann ist die Liste im Dezember vollständig.“ Wer eine Lücke so aufschreibt, der nimmt der Kritik die Spitze und macht aus ihr einen Plan.

Selbsteinschätzung Beispiele: zwölf Formulierungen, vorher und nachher

Die folgenden zwölf Beispiele folgen den Kriterien, die in den meisten Beurteilungsbögen stehen, von Zielerreichung bis Lernbereitschaft. Links steht, wie die meisten schreiben. Rechts steht, wie Nora nach dem Satzbauplan geschrieben hat. Übernimm nicht die Sätze, sondern den Bau, und setze deine eigenen Zahlen, Namen und Daten ein.

KriteriumSchwach formuliertStark formuliert
ZielerreichungIch habe meine Ziele weitgehend erreicht.Zwei von drei Zielen erreicht, eines zur Hälfte. Die Normteile sind 4,2 statt 3 Prozent günstiger, rund 75.600 Euro im Jahr.
ArbeitsqualitätIch arbeite sorgfältig.Von rund 2.300 Bestellungen musste ich elf korrigieren, die meisten wegen kurzfristig geänderter Stückzahlen.
ZuverlässigkeitAuf mich ist Verlass.Alle 14 Rahmenverträge meiner Warengruppen waren vor Ablauf verlängert, keiner lief ungeplant aus.
EigeninitiativeIch bringe mich ein.Im Mai habe ich ohne Auftrag einen Ersatz für den insolventen Dichtungslieferanten gesucht und in neun Arbeitstagen qualifiziert.
TeamarbeitDie Zusammenarbeit im Team ist gut.Ich habe Jana eingearbeitet. Seit Juni bearbeitet sie die Bestellungen für Normteile allein.
KommunikationIch kommuniziere offen.Seit März schicke ich der Produktionsplanung jeden Montag die kritischen Liefertermine. Die Rückfragen sind von etwa zehn auf zwei je Woche gesunken.
FachwissenIch kenne mich in meinem Bereich gut aus.Ich habe die Schulung zum neuen Warenwirtschaftssystem im April besucht und danach zwei Kollegen eingewiesen.
KundenorientierungIch bin hilfsbereit.Anfragen aus der Konstruktion beantworte ich im Schnitt am selben Tag. Im Vorjahr waren es zwei Tage.
BelastbarkeitIch bleibe auch unter Druck ruhig.Im Mai liefen Lieferantenausfall und drei Jahresverhandlungen parallel. Ich habe die Bewertung zurückgestellt und das Markus am selben Tag gesagt.
LernbereitschaftIch lerne gern dazu.Ich habe im Februar ein Verhandlungsseminar besucht und die Methode bei den Normteilen angewandt. Daher kommen die 4,2 Prozent.
VerantwortungIch übernehme gern mehr Verantwortung.Ich möchte ab dem dritten Quartal die Warengruppe Elektronik mit 40 Lieferanten übernehmen und dafür im März den IHK-Lehrgang beginnen.
LückeBei der Lieferantenbewertung bin ich nicht ganz fertig geworden.38 von 60 A-Lieferanten bewertet, Ursache war der Ausfall im Mai. Ab Januar bewerte ich 15 je Quartal.
Zwölf Selbsteinschätzung Beispiele nach den üblichen Kriterien eines Beurteilungsbogens.

Fällt dir auf, was die rechte Spalte gemeinsam hat? Jeder Satz enthält eine Zahl, einen Zeitpunkt oder einen Namen. Keiner enthält ein Adjektiv, das sich selbst lobt. Das bedeutet: Die Sätze rechts sind nicht lauter als die links, sie sind nur prüfbarer. Und wer prüfbar schreibt, der muss im Gespräch nicht mehr überzeugen, sondern nur noch erklären.

Nicht jede Stelle hat Prozentzahlen. Wer in der Pflege, in der Verwaltung oder im Kundenservice arbeitet, der findet trotzdem Zahlen: eingearbeitete Kollegen, die Dauer bis zur Antwort, übernommene Vertretungen. Wo keine Zahl ist, hilft ein Name mit Datum. „Im Oktober hat mir die Stationsleitung die Einarbeitung der neuen Auszubildenden übertragen.“ Ein Datum ist kein Messwert. Aber es macht aus einem Eindruck ein Ereignis, und über Ereignisse lässt sich nicht streiten.

Mitarbeitergespräch Musterantworten: sechs typische Fragen

Viele Führungskräfte fragen im Gespräch noch einmal nach, auch wenn die Selbsteinschätzung schriftlich vorliegt. Die Musterantworten unten zeigen, wie Nora ihre schriftliche Selbsteinschätzung in gesprochene Sätze übersetzt. Wer seine fünf Felder kennt, der hat auf jede dieser Fragen schon eine Antwort. Welche Fragen Führungskräfte sonst noch stellen, zeigen die Fragen im Mitarbeitergespräch aus beiden Perspektiven.

  • Wie würdest du dein Jahr in einem Satz beschreiben? „Zwei Ziele erreicht, eines zur Hälfte, und eine Krise im Mai, die ich in neun Arbeitstagen gelöst habe.“ Ein Satz, drei Fakten, kein Adjektiv.
  • Worauf bist du am meisten stolz? „Auf den Mai. Der Dichtungslieferant war von einem Tag auf den anderen weg, und die Montage hat keinen Tag stillgestanden. Das stand in keinem Ziel, aber es war die wichtigste Arbeit des Jahres.“
  • Was ist nicht gut gelaufen? „Die Lieferantenbewertung. 38 von 60, weil ich sie im Mai zurückgestellt habe. Ab Januar mache ich 15 je Quartal.“ Lücke, Ursache, nächster Schritt.
  • Wie zufrieden bist du mit der Zusammenarbeit? „Mit dir gut. Mit der Produktionsplanung besser als im Vorjahr, aber ich erfahre Änderungen an Stückzahlen oft erst, wenn die Bestellung schon raus ist. Ich wünsche mir, dass ich in den Verteiler der Planungsrunde komme.“
  • Wo siehst du dich in zwei Jahren? „Als Verantwortliche für die Warengruppe Elektronik, mit dem Fachwirt in der Tasche. Den ersten Schritt würde ich gern im dritten Quartal machen, wenn die Stelle frei wird.“ Wer seine eigenen Karriereziele kennt, der antwortet so: mit Rolle, Abschluss und Zeitpunkt.
  • Was brauchst du von mir? „Zwei Tage Freistellung im Monat für den Lehrgang und eine Einführung bei den drei wichtigsten Elektronik-Lieferanten vor der Übergabe.“ Wer hier nichts nennt, der bekommt auch nichts.

Was die KOALA-Formel im Mitarbeitergespräch bedeutet

KOALA steht für Kontakt, Orientierung, Anlass, Lösung und Abschluss. Die Formel ist ein Ablauf für schwierige Gespräche, vor allem für Kritikgespräche, und viele Führungskräfte lernen sie in Seminaren. Kontakt heißt ankommen, Orientierung heißt Rahmen und Ziel des Gesprächs nennen, Anlass heißt die Sache beschreiben und zuhören, Lösung heißt gemeinsam einen Weg finden, Abschluss heißt zusammenfassen und vereinbaren. Für dich als Mitarbeiter ist das nützlich, weil du weißt, wann deine Selbsteinschätzung gefragt ist: in der Phase Anlass deine Belege, in der Phase Lösung dein Entwicklungswunsch. Den Ablauf aus Sicht der Führungskraft beschreibt das Feedbackgespräch in fünf Schritten.

Eine Antwort fehlt mit Absicht, die zum Gehalt. Das Gehalt gehört in ein eigenes Gespräch. Wer es ansprechen will, der bittet am Ende um einen Termin dafür. Sonst liest deine Führungskraft jeden Beleg als Argument für eine Zahl.

Selbstbeurteilung als Mitarbeiter: die Skala ehrlich ankreuzen

Viele Bögen haben eine Skala mit fünf Stufen, von übertrifft die Anforderungen deutlich bis erfüllt sie nicht. Bei der Selbstbeurteilung als Mitarbeiter kreuzen die meisten überall die Mitte an. Das wirkt bescheiden und sicher. Es ist nur keine Aussage, denn wer überall dieselbe Stufe wählt, der sagt nichts über sein Jahr. Auf der anderen Seite des Tisches liegt dieselbe Skala, wie sie die Mitarbeiterbeurteilung mit fünf Kriterien beschreibt.

Das Gegenteil ist ebenso verbreitet. Marshall Goldsmith beschreibt in seinem Buch Was Sie hierher gebracht hat, wird Sie nicht weiterbringen, dass sich die große Mehrheit erfolgreicher Berufstätiger im oberen Fünftel ihrer Kollegen sieht. Rein rechnerisch kann das nicht für alle stimmen. Wer sich überall oben einordnet, der zwingt seine Führungskraft, jede Stufe einzeln herunterzuhandeln, und das Gespräch wird zum Basar.

Die Regel für die Skala ist deshalb einfach: Kreuze an, was dein Beleg hergibt, nicht was dein Gefühl sagt. Wo du das Ziel übertroffen hast, darfst du übertrifft ankreuzen. Wo du es verfehlt hast, kreuzt du teilweise an und schreibst die Ursache daneben. Nora hat ihren Bogen so ausgefüllt:

  • Preise für Normteile: übertrifft die Anforderungen, Beleg 4,2 statt 3 Prozent.
  • Neue Lieferanten für Hydraulikteile: erfüllt teilweise, einer von zwei qualifiziert, der zweite im Audit für Februar.
  • Einarbeitung von Jana: erfüllt voll, Jana arbeitet seit Juni allein.
  • Lieferantenbewertung: erfüllt teilweise, 38 von 60, Plan für 15 je Quartal.

Zweimal teilweise, das sieht auf dem Papier schlechter aus als viermal voll. Im Gespräch ist es stärker. Markus sieht, dass Nora die Lücken selbst gefunden hat, und muss sie nicht suchen. Das bedeutet: Eine ehrliche Skala kostet dich im Bogen vielleicht eine Stufe. Dafür bekommst du im Gespräch das Vertrauen, dass auch deine oberen Kreuze stimmen.

Und wenn deine Führungskraft anders ankreuzt als du? Dann frag nach dem Beleg, nicht nach der Note. Woran machst du das fest? Wer nach dem Beleg fragt, der verwandelt einen Streit über Stufen in ein Gespräch über Ereignisse.

Die drei Fehler, die niemand bemerkt

Die meisten Selbsteinschätzungen scheitern nicht an schlechten Formulierungen. Sie scheitern an drei Fehlern, die sich beim Schreiben richtig anfühlen und erst im Gespräch auffallen. Welcher davon ist deiner?

  • Das Gedächtnis der letzten acht Wochen. Wer die Selbsteinschätzung im Dezember aus dem Kopf schreibt, der beschreibt den Herbst. Der Erfolg im Februar ist vergessen, die Panne im November steht ganz oben.
  • Die verschwiegene Lücke. Man lässt weg, was nicht geklappt hat, in der Hoffnung, dass es niemand anspricht. Es spricht immer jemand an. Dann kommt die Lücke von der anderen Seite, ohne Ursache und ohne Plan, und du verteidigst dich, statt zu erklären.
  • Der Wunsch ohne Datum. Ich möchte mich weiterentwickeln, ich hätte gern mehr Verantwortung. Solche Sätze stehen in fast jedem Bogen. Ein Wunsch ohne Zeitraum und ohne Bedarf lässt sich nicht zusagen. Er lässt sich nur zur Kenntnis nehmen.

Der häufigste Fehler: Tätigkeiten statt Ergebnisse

Die meisten Selbsteinschätzungen beschreiben, was jemand getan hat: Bestellungen bearbeitet, Lieferanten betreut, Kollegen unterstützt. Das ist richtig und trotzdem wertlos, denn es steht schon in der Stellenbeschreibung. Ohne Ergebnis wird die Selbsteinschätzung zur Aufgabenliste, und eine Aufgabenliste lässt sich nur abhaken, nicht bewerten. Die Probe ist einfach: Hinter jedem Satz muss die Frage beantwortet sein, was am Ende anders war als am Anfang. Wer diese Frage für jeden Satz beantwortet, der hat aus Tätigkeiten Ergebnisse gemacht.

Von der Selbsteinschätzung zur Zielkette: Jahr, Quartal, Monat, Woche, Tag

Eine Selbsteinschätzung ist eine Rückmeldung, die einmal im Jahr kommt. Edwin Locke und Gary Latham haben in A Theory of Goal Setting and Task Performance von 1990 gezeigt, dass konkrete, anspruchsvolle Ziele zu mehr Leistung führen als die Aufforderung, sein Bestes zu geben, und dass Rückmeldungen zum Fortschritt diese Wirkung verstärken. Wer sein Ziel nur im Januar sieht, der bekommt diese Rückmeldung zu spät, um noch etwas zu ändern.

Aus Noras Gespräch kommt ein Entwicklungsziel für das Jahr: die Warengruppe Elektronik ab dem dritten Quartal verantworten. Damit das Ziel nicht bis zum nächsten Januar in der Schublade liegt, übersetzt sie es in fünf Ebenen. Die dritte Spalte zeigt, welcher Beleg auf jeder Ebene für die nächste Selbsteinschätzung entsteht.

EbeneZielBeleg für die nächste Selbsteinschätzung
JahrWarengruppe Elektronik ab dem dritten Quartal verantwortenÜbergabe abgeschlossen, erste Jahresverhandlung geführt
QuartalQ1: Lehrgang begonnen, 15 Lieferanten bewertet. Q2: Übergabe vorbereitet. Q3: Übernahme. Q4: erste VerhandlungsrundeKurzes Zwischengespräch mit Markus je Quartal
MonatMärz: Lehrgang gestartet, fünf LieferantenbewertungenMonatsnotiz mit drei Zahlen
WocheZwei Bewertungen, ein LehrgangsabendZwei Belege, am Freitag notiert
TagDienstag 7:30 Uhr eine Lieferantenbewertung, 30 MinutenHaken im Kalender
Zielkette aus der Selbsteinschätzung in fünf Stufen: Jahresziel Warengruppe Elektronik, Quartalsziel Lehrgang und 15 Bewertungen, Monatsziel fünf Bewertungen, Wochenziel zwei Belege, Tagesziel eine Bewertung am Dienstag
Jede Ebene erzeugt einen Beleg. Die nächste Selbsteinschätzung wird nicht geschrieben, sondern zusammengestellt.

Der wichtigste Teil der Kette ist die Woche. Jeden Freitag notiert Nora in zehn Minuten zwei Belege: was erledigt ist, als Zahl, und was sich bewegt hat, mit Datum. Wie so ein kurzer Rückblick aufgebaut ist, steht im Wochenrückblick in zehn Minuten. Wer das 45 Wochen lang tut, der hat im Dezember rund 90 Belege. Die nächste Selbsteinschätzung schreibt sie dann aus ihrer Liste.

In Gaapp ist genau diese Kette der Kern: ein Jahresziel oben, darunter Quartal, Monat, Woche und Tag, und der Fortschritt jeder Ebene zählt nach oben. So siehst du im Juni, ob das dritte Quartal noch realistisch ist, und nicht erst im Januar. Wie aus einem Jahresziel ein Weg mit Zwischenzielen wird, zeigt der Leitfaden Ziele erreichen.

Drei Fragen, bevor du deine Selbsteinschätzung abgibst:

  • Steht hinter jedem Ziel eine Zahl, und kann deine Führungskraft sie nachprüfen?
  • Hast du mindestens eine Lücke selbst benannt, mit Ursache und nächstem Schritt?
  • Endet dein Bogen mit einem Wunsch, der einen Termin und einen Bedarf hat?

Wer eine der drei Fragen mit Nein beantwortet, der hat nicht zu bescheiden geschrieben, sondern zu ungenau. Noras zweiter Entwurf hat das Gespräch um 20 Minuten verkürzt, weil Markus nichts mehr suchen musste, und die gewonnene Zeit ging an die Warengruppe Elektronik. Kurz gesagt: Eine Selbsteinschätzung ist kein Urteil über dich, sondern die beste Vorlage, die deine Führungskraft für das Gespräch bekommen kann.

Häufige Fragen zur Selbsteinschätzung im Mitarbeitergespräch

Wie schreibe ich ein Beispiel für eine Selbsteinschätzung?

Nimm ein Ziel aus dem letzten Gespräch und schreib drei Sätze nach dem Plan Ergebnis, Beleg, Wirkung. Etwa: Ich habe die Preise für Normteile neu verhandelt. Sie liegen 4,2 Prozent unter dem Vorjahr. Das spart rund 75.600 Euro im Jahr. Lass Adjektive wie hervorragend weg, die Zahl spricht für sich.

Was sind die wichtigsten Punkte in einem Mitarbeitergespräch?

Ein Rückblick auf die vereinbarten Ziele, Feedback in beide Richtungen, ein Gespräch über deine Entwicklung und höchstens drei neue Ziele mit Messgröße und Termin. Am Ende steht ein Protokoll, das beide bekommen. Deine Selbsteinschätzung liefert für jeden dieser Punkte die Vorlage.

Was bedeutet die KOALA-Formel in einem Mitarbeitergespräch?

KOALA steht für Kontakt, Orientierung, Anlass, Lösung und Abschluss. Die Formel gibt Führungskräften einen Ablauf für schwierige Gespräche, vor allem für Kritikgespräche. Als Mitarbeiter weißt du damit, dass deine Belege in der Phase Anlass gefragt sind und dein Entwicklungswunsch in der Phase Lösung.

Was gehört zur Selbsteinschätzung?

Fünf Felder: Ziele und Ergebnisse als Zahl, Beiträge außerhalb der Ziele, Lücken mit Ursache und nächstem Schritt, ein Wunsch zur Zusammenarbeit und ein Entwicklungsziel mit Termin. Die meisten Bögen fragen genau diese Dinge ab, nur unter anderen Überschriften. Wer alle fünf füllt, der ist auch für ein Gespräch ohne Bogen vorbereitet.

Soll ich mich in der Selbsteinschätzung eher besser oder eher schlechter bewerten?

Weder noch. Kreuze an, was dein Beleg hergibt, und schreib die Zahl daneben. Wer überall die Mitte wählt, der sagt nichts, und wer überall oben ankreuzt, der muss jede Stufe verteidigen.

Wie lang sollte eine Selbsteinschätzung sein?

Eine Seite reicht, wenn jeder Satz eine Zahl, einen Namen oder ein Datum enthält. Drei Sätze je Ziel, zwei bis drei Sätze je Lücke und ein Satz für den Entwicklungswunsch. Länger wird sie meist nur durch Tätigkeiten, die schon in der Stellenbeschreibung stehen.

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026

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